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09.03.10 20:28

1:2-Niederlage in Erfurt: „Schanzer“ erneut ein zu netter Gast

Erfurt, 9. März 2010 (OS, TB) -  Der FC Ingolstadt 04 bleibt zum dritten Mal in Folge sieglos. In der Nachholpartie des 22. Spieltages musste die Mannschaft von Trainer Michael Wiesinger beim FC Rot-Weiß Erfurt eine 1:2-Niederlage einstecken. Vor 3.300 Zuschauern bauten die “Schanzer“ wieder mal einen Gegner auf. Die Elf von Erfurts Trainer Rainer Hörgl, die zuletzt fünf Mal in Folge nicht gewann, war man zum zweiten Mal in Folge ein netter Gast war. Platz zwei war anvisiert, am Ende verspielte man eine weitere gute Chance, sich eine bessere Ausgangslage in Sachen Zweitligaaufstieg zu schaffen.

Schon früh gingen die Hausherren in Front. Nach einem Foul von Andreas Buchner an Chhunly Pagenburg gab es einen Foulelfmeter, den Thiago Rockenbach in der 11. Minute sicher verwandelte. In der 23. Minute konnte Malte Metzelder mit Saisontreffer Nummer zwei per Kopf nach einer ausgleichen. Als alles nach einem Unentschieden aussah, traf der gerade erst eingewechselte Carsten Kammlott in der 81.Minute.

Michael Wiesinger hatte nach dem 3:3 gegen Braunschweig personelle Veränderungen angekündigt und die gab es dann auch. Zwischen den Pfosten stand Marco Sejna, der damit zu seinem ersten Pflichtspieleinsatz in der 3. Liga in diesem Jahr kam. Zuletzt war er im März 2009 die Nummer 1 der “Schanzer“, als er zwei Zweitliga-Spiele bestritt. Kritik gab es zwar für die öffentliche Kameradenschelte an die Adresse von Ralf Keidel, der aber dennoch in der Startelf stand und neben Metzelder, Matias Wittek und Tobias Fink die Abwehr der Gäste bildete. Patrick Mölzl auf der Sechser-Position sowie Moise Bambara, Stefan Leitl und Andreas Buchner im Mittelfeld, dazu “Zecke Neuendorf und Moritz Hartmann komplettierten die Startelf der Donaustädter. Veränderungen auf zwei Positionen gab es damit im Kader der Ingolstädter gegenüber dem Braunschweig-Spiel.

2. Minute und mal wieder einer dieser zuletzt so gefürchteten Standards gegen den FCI 04 – bekanntermaßen waren gleich alle drei Gegentore beim 3:3 gegen die Braunschweiger auf diese Weise gefallen. Sebastian Becker brachte die Kugel aus rund 30 Metern scharf aufs Tor, verfehlte den Kasten aber knapp.

Bei klirrender Kälte im altehrwürdigen Steigerwaldstadion benötigten die Schanzer zunächst einige Minuten, um sich zu akklimatisieren. Erneut brachte der 24-jährige Ex-Augsburger Becker die Ingolstädter Abwehr mit einer Flanke in Bedrängnis, diesmal klärten die in blau-schwarz aufgetretenen Gäste jedoch souverän und leiteten einen Gegenzug ein, der jedoch ebenfalls harmlos blieb (4. Minute). Für den neuen FCI 04-Keeper Marco Sejna wurde es anschließend wieder brenzlig, doch die Flanke von Chhunly Pagenburg pflückte der 37-jährige Schlussmann souverän herunter. In der 10. Minute war die Nr. 21. im Gehäuse jedoch chancenlos: Ein unnötiger Ballverlust im Mittelfeld führte zu einem Konter, Andreas Buchner konnte sich im Strafraum nurnoch mit einem Foul behelfen. Den fälligen Strafstoß verwandelte Rockenbach da Silva ganz sicher (11.).


Immerhin blieben noch rund 80 Minuten Zeit gegen die junge Truppe von Rainer Hörgl, um das Ergebnis umzumünzen, und wenige Tage zuvor hatte es ja die Eintracht aus Braunschweig im TUJA Stadion vorgemacht. Die richtige Antwort kam von Kapitän Stefan Leitl, der mit einer guten Aktion Moise Bambara am rechten Strafraumeck in Szene setzte. Der schlug einen schnellen Hacken nach innen und zog ab, verfehlte dabei aber deutlich (14.). Die Donaustädter schienen jetzt aber langsam warmzulaufen, angefeuert dabei von einigen tapferen, mitgereisten Fans im Gästeblock und auf der Haupttribüne. In der 20. Minute „schockte“ dann Marco Sejna seine Anhänger mit einem Ausflug aus dem Strafraum, als er gegen den heranstürmenden Angreifer einen Tick zu spät kam. Doch der Routinier war schnell im Kasten zurück, während der abgedriftete Rockenbach den Ball erst wieder in die Mitte bringen musste. Den Schuss von Pagenburg parierte Sejna dann sicher – und brachte seine Vorderleute wieder ins Spiel: Im Gegenzug holten sich die Schanzer eine Ecke, die Leitl exakt auf den Kopf von Malte Metzelder platzierte. Der 27-jährige traf optimal und setzte die Kugel unter die Latte – 1:1 in der 23. Minute!

Immer wieder für Gefahr sorgte allerdings Rockenbach auf Seiten der Erfurter, der kurz darauf mit einem sensationellen Sololauf sowohl Ralf Keidel als auch Metzelder vernaschte. Seine Hereingabe fand jedoch keinen Abnehmer, doch die Elf von Michael Wiesinger war bereits mehr als einmal gewarnt worden. Mit den jungen Torjägern Carsten Kammlott und Tino Semmer hatte Hörgl dabei noch zwei gefährliche Akteure zu diesem Zeitpunkt auf der Bank. Die Hausherren blieben auch nach dem Ausgleichstreffer die etwas bessere Mannschaft, im Spiel nach vorne unterliefen den Gästen zu viele Abspielfehler. In der 32. dann wieder eine Ecke für Zecke Neuendorf und Co., und wieder Gefahr: Einmal mehr ist Metzelder zur Stelle, seinen Kopfball klärte ein Erfurter für seinen geschlagenen Keeper Dirk Orlishausen auf der Linie.

Ingolstadt wurde jetzt mehrmals gefährlich und wehrte sich effektiv gegen die Angriffsversuche der Rot-Weißen. Eine tolle Kombination über die linke Seite brachte Zecke ins Spiel, der die Kugel in die Mitte legte. Dort klärte Martin Pohl vor Torjäger Moritz Hartmann (34.). Im Gegenzug versuchte sich Julian Lüttmann mit einer Volleyabnahme, verfehlte aber das Ziel. Es blieb eine Hälfte der Standards: Einen Direktschuss von Tobias Fink nach hohem Ball in den Sechzehner sehen die Zuschauer nur knapp am Winkel vorbeirauschen (40.). Dank einer deutlichen Steigerung beherrschten jetzt im Schlussspurt der ersten Halbzeit die Bayern das Geschehen in Thüringen. Wieder führte eine tolle Kombination zu einer guten Chance, Hartmann war nach Steilpass von Zecke durch und scheiterte erst an Keeper Orlishausen. Die Spielmaschinerie des FCI 04 kam immer besser ins Rollen, RWE sehnte sichtlich den Pausenpfiff herbei – für den sorgte dann Schiedsrichter Bastian Dankert nach exakt 45. Minuten. Der Unparteiische hatte übrigens auch die Partie Braunschweig gegen Ingolstadt in der Hinrunde gepfiffen, die 1:2 verloren ging. Doch die Vorzeichen, dass dieses Mal ein anderes Ergebnis unter seiner Regie zustande kommen sollte, schienen zur Pause günstig.

Während es für Fitnesstrainer Stefan Schaidnagel und die Reservisten zum Warmlaufen ging, versuchten die elf Akteure auf dem Feld schnell wieder in die Partie zu finden. Erwartungsgemäß hatte Wiesinger keine Änderungen vorgenommen – die erste gefährliche Szene gehörte jedoch den Gastgebern: Freistoß aus halbrechter Position, Rockenbach führte aus. Offensichtlich hatten die Schanzer jedoch aus den drei Gegentoren am Samstag ihre Lehren gezogen und waren hellwach bei den ruhenden Bällen. So konnte diese Aktion problemlos abgewehrt werden (48.). Kurz darauf musste Sejna jedoch abtauchen, Pagenburg hatte ihn mit einem Flachschuss aus rund 20 Metern geprüft. Der Keeper klärte sicher zur Ecke, die anschließend nichts einbrachte. Der frühere Nürnberger Angreifer blieb ein Unruheherd, kurz darauf versuchte er es aus rund 25 Metern mit einem Direktschuss – drüber.

In den Folgeminuten kämpften die beiden Drittliga-Kontrahenten um jeden Zentimeter Boden, teilweise wirkte die Begegnung zerfahren. Es fehlte die zündende Idee im Spiel der Schanzer, für Gefahr sorgte erst ein Freistoß von Keidel auf Höhe der Mittellinie. Der hatte gesehen, dass Orlishausen weit vor seinem Tor stand und schlenzte die Kugel blitzschnell auf das Tor – der 27-jährige Keeper war aber sofort zurückgeeilt und fing das Leder sicher ab. Anschließend begann das große Schuhwechseln: Sowohl Dennis Malura (RWE) als auch die Schanzer Tobi Fink und Andi Buchner wechselten die Treter, um bei den schwierigen Bodenverhältnissen für mehr Standfestigkeit zu sorgen.

Auf dem Feld blieb es aber bei viel Stückwerk auf beiden Seiten, keiner erspielte sich nunmehr klare Chancen (64.). In der 68. kamen die Hausherren dann jedoch wieder zu einem der gefürchteten Freistöße in Nähe der Eckfahne: Rockenbach schlug den Ball herein, Christopher Handke kam auf Elfmeterhöhe zum Abschluss – doch Sejna behielt im Getümmel die Übersicht und sicherte den Ball. Hörgl wechselte anschließend erstmal aus und brachte für den quirligen Becker mit Martin Hauswald einen neuen Mann im Mittelfeld. Auch auf der anderen Seite wurde reagiert, Ersin Demir begab sich rund eine viertel Stunde vor dem Abpfiff in Richtung Mittellinie und kam anschließend für Zecke ins Spiel. Der Deutsch-Türke hatte schon einst in Sandhausen einen wichtigen Treffer nach Einwechslung erzielt und die Hoffnung, der 32-Jährige würde zum zweiten Streich ausholen, war groß.

Die Partie wurde jetzt von beiden Mannschaften offen gestaltet. Mit Stürmer Kammlott brachte Hörgl noch einen Trumpf ins Spiel (79.), Pagenburg musste weichen. Das Publikum wurde zunehmend unruhig und den Gästen stand eine hitzige Endphase bevor. In der 81. war es dann passiert: Kamlott enteilte der Ingolstädter Defensive und schon unhaltbar für Sejna ein – 2:1 für die Hausherren, quasi aus dem Nichts, denn das Spiel war zuvor äußerst chancenarm verlaufen. Wiesinger holte sofort Fabian Gerber an die Mittellinie, um zumindest nochmal für neue Offensiv-Impulse zu sorgen. Doch es drohte die zweite Auswärtspleite in Folge, und Hörgl schien mit der Einwechslung von Kammlott auf die richtige Karte gesetzt zu haben. Moise Bambara ging dann vom Feld, Gerber kam (85.). Die große Chance zum Ausgleich hatte dann jedoch Demir aus rund elf Meter, sein Linksschuss ging über die Querlatte. In den Schlussminuten scheiterte Ersin Demir noch zwei Mal, Dirk Orlishausen ließ sich nicht mehr überwinden

So endete auch dieser Auswärtsauftritt der “Schanzer“ mit einer Enttäuschung. Der erhoffte Sprung auf Platz zwei wurde deutlich verpasst. Kommt der FC Ingolstadt 04 nicht schnell wieder in die Spur, ist das Ziel Aufstieg mehr als stark gefährdet.

Auch das nächste Meisterschaftsspiel bestreiten die “Schanzer“ in der Fremde. Zu Gast ist man bei Werder Bremen II. Um 14.00 Uhr beginnt diese Partie auf Platz 11 des Weserstadions. Eine Woche später (Samstag, 20. März, 14.00 Uhr) steht dann das Heimspiel gegen die Offenbacher Kickers auf dem Programm.

Die Mannschaftsaufstellungen
FC Rot-Weiß Erfurt:
Dirk Orlishausen, Dennis Malura, Martin Pohl, Christopher Handke, Thomas Ströhl, Sebastian Becker (Martin Hauswald, 69., Dennis Hillebrand, 88.), Manuel Bölstler, Thiago Rockenbach da Silva, Julien Humbert, Julian Lüttmann, Chhunly Pagenburg (Carsten Kammlott, 79.)
(Petr Smisek, Fabian Stenzel, Tino Semmer, Andreas Sponsel (ETW))

FC Ingolstadt 04: Marco Sejna, Ralf Keidel, Malte Metzelder, Matias Wittek, Tobias Fink, Patrick Mölzl, Moise Bambara (Fabian Gerber, 85.), Stefan Leitl, Andreas Buchner, Andreas “Zecke“ Neuendorf (Ersin Demir, 76.), Moritz Hartmann
(Michael Wenczel, Robert Fleßers, Alexander Buch, Robert Braber, Christopher Sommerer (ETW))

Schiedsrichter: Bastian Dankert (Rostock)
Assistenten: Sebastian Schmickartz (Berlin), Steffen Hösel (Rövershagen)

Tore: 1:0 Rockenbach da Silva (11., FE), 1:1 Metzelder (23.), 2:1 Kammlott (81.)

Karten: Gelb Fink (68., Foulspiel), Gelb Keidel (79. Unsportlichkeit)

Zuschauer: 3.289


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