Blick hinter die Schanz: Teil 1 mit Marcel Tisserand

Innenverteidiger Marcel Tisserand öffnete uns seine Türen

Blick hinter die Schanz: Teil 1 mit Marcel Tisserand

22. Dezember, 2016 18.00 Uhr

Marcel Tisserand kam in der Sommerpause zu den Schanzern. Trotz vieler namhafter Interessenten entschied sich der talentierte Innenverteidiger für den FCI. Nach einigen Wochen Eingewöhnungszeit ist „Tiss“ an der Donau so richtig angekommen. Zeit für fci.de, euch den 23-Jährigen einmal persönlich beim „Blick hinter die Schanz“ vorzustellen. Viel Spaß!

fci.de: Bonjour Marcel, du wohnst jetzt schon seit ein paar Monaten in Ingolstadt. Wie gefällt’s dir bei uns?

Marcel Tisserand: Es gefällt mir sehr gut in Ingolstadt. Die Innenstadt ist schön, die Leute alle sehr freundlich. Ich fühle mich sehr wohl. Am Anfang war es nicht so leicht für mich aus Monaco an die Donau zu ziehen – alles war neu: Die Stadt, die Sprache, die Umgebung. Aber ich komme immer besser zu Recht und das Team hilft mir großartig dabei. Ich bin echt glücklich hier.

fci.de: Was waren die größten Schwierigkeiten nach deinem Wechsel vom AS Monaco auf die Schanz?

Tisserand: Im Moment kämpfe ich ein bisschen mit der Kälte (lacht). Außerdem ist es manchmal nicht so leicht, wenn man alleine daheim ist. Mein Bruder und meiner Schwester kommen mich zwar hin und wieder besuchen, aber meine Familie vermisse ich schon. Natürlich ist die Sprachbarriere gerade zu Beginn ein Problem, wenn man in ein neues Land zieht. Aber zum Glück hat mich der Verein hier super unterstützt. Schritt für Schritt komme ich immer besser klar.

fci.de: Warum hast du dich dafür entschieden auf dem Land statt in der Stadt zu wohnen?

Tisserand: Ich habe gerne meine Ruhe und dafür ist ein Haus ein bisschen außerhalb von Ingolstadt genau richtig für mich. Ich nutze die Ruhe nach anstrengenden Trainingseinheiten, um mich daheim zu erholen und viel zu schlafen. Wenn ich mal Action brauche, dann fahre ich nach Ingolstadt oder München. Die Städte sind ja nicht so weit weg.

fci.de: Bekommst du oft Besuch aus deiner Heimat und was hat deine Familie zum Wechsel nach Oberbayern gesagt?

Tisserand: Auf jeden Fall. Sie sind regelmäßig zu Besuch und unterstützen mich auch so oft es geht im Stadion. Als ich ihnen gesagt habe, dass ich nach Ingolstadt wechseln werde, haben sie sich natürlich für mich gefreut, dass ich die Chance bekomme, in der Bundesliga Fuß zu fassen. Auch wenn sie mich natürlich vermissen und sich anfangs auch ein bisschen Sorgen gemacht haben, ihren Bruder bzw. Sohn gehen zu lassen. Aber das ist normal und inzwischen sehen sie ja, dass es mir in Oberbayern gut geht. Sie mögen es, dass es in Bayern so traditionell zugeht und sagen auch schon immer „Servus“, wenn wir uns sehen (lacht).

fci.de: Du hast regelmäßig Deutsch-Unterricht. Wie läuft der Sprachkurs?

Tisserand: Es wird immer besser. Bayerisch grüßen kann ich schon sehr gut. Im Moment lerne ich, wie man Uhrzeiten und Zahlen ausspricht. Wenn ich einkaufen oder in ein Restaurant zum Essen gehe, versuche ich immer Deutsch zu sprechen und das anzuwenden, was ich bereits gelernt habe. „Entschuldigung, ich möchte bitte Wasser trinken.“ Es ist noch viel Luft nach oben, aber ich bemühe mich, dass es immer besser wird.

fci.de: Wie gut funktioniert die Verständigung mit deinen Teamkollegen?

Tisserand: Die Teamkollegen sind großartig. Sprachlich helfen mir mein Landsmann Romain Brégerie, aber auch Jungs wie Tobias Levels, Almog Cohen oder Florent Hadergjonaj sehr weiter. Wir haben ein super Team. Außerdem wird mein Deutsch immer besser. Auf dem Platz unterhalten wir uns in einem Mix aus Deutsch und Englisch. Das klappt schon sehr gut.

fci.de: Nach ein paar Bundesliga-Spielen im Rückblick betrachtet: Wie schätzt du die erste Liga ein? Auch im Vergleich mit der französischen Liga?

Tisserand: Aus meiner Sicht ist die Bundesliga viel schneller als die Ligue 1 in Frankreich. Dort kann man schon mal den Ball in Ruhe annehmen und das Spiel eröffnen. Das ist in Deutschland anders. Hier stehst du ständig unter Druck, musst dauernd hochkonzentriert sein und darfst dir keine Fehler erlauben. Die werden hier sehr schnell bestraft. Es ist nun mal eine der besten Ligen der Welt. Daran musste ich mich am Anfang gewöhnen, aber es wird immer besser.

fci.de: Wie stolz bist du, dass du dich mit deiner Nationalmannschaft für den Afrika Cup qualifiziert hast?

Tisserand: Die Leute in der Demokratischen Republik Kongo sind unglaublich euphorisch und stolz auf ihre Nationalmannschaft. Auf Facebook schreiben die Leute, dass wir den Afrika Cup gewinnen werden und auch Weltmeister werden können. Es ist unglaublich, was bei unseren Spielen los ist. Meine Landsleute vergessen während unseren Partien ihre Alltagssorgen und wir versuchen die Leute glücklich zu machen. Im Moment sind wir erster in der Quali-Gruppe und ich hoffe, dass wir den Afrika Cup gewinnen können.

fci.de: Die Fans nennen dich dort „Ministre de la defence“. Woher kommt dieser Spitzname und seit wann nennen sie dich so?

Tisserand: Schon mit dem ersten Spiel, das ich für mein Land gemacht habe, nennen mich die Fans so. Wir haben damals 4:1 gegen Zentralafrika gewonnen. Bei Facebook und auf der Straße wurde ich so von den Anhängern so genannt. „Verteidigungsminister“ ist natürlich eher ein politischer Beruf aber im Zusammenhang mit mir als Abwehrspieler sehr kreativ. Ich mag den Spitznamen (lacht).

fci.de: Du kommst aus der Demokratischen Republik Kongo, hast aber sehr lange in Frankreich gelebt. Wie unterscheidet sich das Leben in den beiden Ländern?

Tisserand: Die afrikanische Kultur unterscheidet sich natürlich von der europäischen. Ich mag die Kultur sehr und bin gerne in Kinshasa. Dort lebt meine Großmutter und ich besuche sie so oft es geht. Gerade das Essen aus meiner Heimat vermisse ich sehr. Immer wenn ich da bin, macht mir meine Mutter traditionelles Essen.

fci.de: Weihnachten steht vor der Tür. Wie wird das Fest im Hause Tisserand gefeiert?

Tisserand: Im Grunde feiern wir so wie Millionen andere Menschen auch. Die gesamte Familie kommt zusammen, schmückt den Weihnachtsbaum und die Kinder erhalten Geschenke bei der Bescherung. Danach wird gemeinsam das Festmahl gegessen und gemütlich zusammen gesessen. Ich freue mich darauf, meine Familie an den Feiertagen in Paris zu sehen, bevor ich dann zur Nationalmannschaft reise.

fci.de: Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Tisserand: Ich lese sehr gerne. Gerade habe ich „der Alchimist“ von Paulo Coelho gelesen. Das hat mir sehr gut gefallen. Wenn meine Cousins oder mein Bruder zu Besuch sind, spielen wir auch schon mal Playstation. Sonst gehe ich hin und wieder mal shoppen oder ins Restaurant. Außerdem erkunde ich ganz gerne meine Umgebung: Ob das Ingolstadt, die Region oder auch mal München ist. Es gibt viel zu entdecken. Gerade wenn ich allein bin, telefoniere ich viel via Facetime oder Snapchat mit meinen Freunden in der Heimat. So kann ich den Kontakt zu allen halten.

fci.de: Welche Rolle spielt Musik in deinem Leben.

Tisserand: Musik spielt eine große Rolle. Mein Cousin macht selbst Musik und die Songs gefallen mir sehr. Egal ob zu Hause, wenn ich unterwegs bin oder vor Spielen – meine Kopfhörer sind immer dabei. Meine Top5 habt ihr ja schon im letzten Schanzer Bladdl lesen können (lacht).

fci.de: Unser Sportdirektor Thomas Linke meinte bei deiner Verpflichtung „Marcel bringt alles mit, um in seiner Entwicklung das höchste Niveau zu erreichen.“ In welchen Bereichen möchtest du dich noch verbessern?

Tisserand: Ich möchte als Persönlichkeit auf dem Platz reifen und so der Mannschaft helfen. Dazu muss ich die Sprache besser können, um als Innenverteidiger noch besser meine Teamkollegen unterstützen zu können. In der Nationalmannschaft bin ich als Abwehrchef gesetzt und strahle das auch aus. Daran möchte ich beim FCI noch hart arbeiten. Außerdem wäre es super, wenn ich bald ein Tor erzielen könnte. Vielleicht klappt es ja heute beim Heimspiel gegen Freiburg (grinst).

fci.de: Heute steht das letzte Bundesligaspiel des Jahres 2016 vor der Tür. Wie schaffen es die Schanzer, die drei Punkte unter dem eigenen Weihnachtsbaum zu behalten?

Tisserand: Wir wollen unseren Fans einen erfolgreichen Jahresabschluss bescheren, am besten mit drei Punkten unter dem Weihnachtsbaum. Dafür müssen wir alles reinlegen, Vollgas geben und bis zum Schluss kämpfen. Unsere Fans werden dabei eine wichtige Rolle spielen, wir brauchen sie über die volle Spielzeit, damit wir am Ende gemeinsam feiern können. Zusammen packen wir das!