Die Schanzer
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Auch am Sonntag wieder mit Vollgas Richtung Magdeburger Tor. (Foto: Bösl / KBUMM)

Augenhöhe, Future Card und Heinz Krügel: Fünf Geschichten gegen Magdeburg

4, 2, 1, 1 - Das ist nicht etwa die Taktik von Coach Tomas Oral gegen den 1. FC Magdeburg bei unserem Heimspiel am Sonntag, den 22. November. Diese Zahlen beschreiben die direkte Gegenüberstellung der Schanzer mit dem Team aus Sachsen-Anhalt. In vier Begegnungen konnten die Gegner zwei Siege gegen uns erzielen, einmal gingen beide Teams mit je einem Punkt auseinander und einmal konnten am Ende die Schanzer jubeln. Das letzte Aufeinandertreffen entschieden die Magdeburger mit 2:0 für sich. Grund genug, bestens präpariert und motiviert in die kommende Partie zu gehen. Damit auch ihr gut vorbereitet und vor allem informiert seid, möchten wir euch mit unseren fünf kleinen Geschichten auf die Partie und den Gegner 1. FC Magdeburg einstimmen, ehe es dann am Sonntag hoffentlich heißt: Heimsieg für die Schanzer!

Von Höhen und Tiefen
Weniger glorreiche Zeiten verbrachte unser Gegner Magdeburg Mitte der 90er Jahre, in denen der 1. FCM zeitweise in der Oberliga Nordost-Nord beheimatet war. Nach schwierigen sportlichen und finanziellen Zeiten, der FC konnte immerhin noch knapp den Abstieg in die Verbandsliga abwenden, gelang unter neuem Personal der Aufstieg in die Regionalliga, bei dem man auch gegen den Lokalrivalen Fortuna Magdeburg spielte. In der damals dritthöchsten Spielklasse, die heutige dritte Liga wurde erst Jahre später eingeführt, konnten sich die Magdeburger zunächst stabilisieren und spielten eine Zeit lang sogar um den Aufstieg in die zweite Bundesliga mit. Zum Millennium trat die neue Regionalligareform in Kraft und aufgrund des zehnten Platzes, auf dem sich Magdeburg befand, stand trotz allen Kampfes der nächste Abstieg in die Oberliga bevor.

Doch dann kam die Große Stunde unserer heutigen Gegner in der DFB-Pokalsaison 2000/01. Bereits in der ersten Hauptrunde bezwang man den 1. FC Köln mit 5:2. Dann wartete in der zweiten Runde kein geringerer Gegner als der FC Bayern München auf die Magdeburger: Nach Elfmeterschießen stand es 4:2 – für den FCM! Der Anschließende Gegner wurde ebenfalls besiegt: Nach Verlängerung stand es gegen den Karlsruher SC 5:3 und das Viertelfinale war erreicht. Alle Euphorie half nicht viel, denn gegen den dortigen Kontrahenten und tatsächlichen späteren Sieger des DFB-Pokals, den FC Schalke 04, verlor man knapp mit 0:1. Auch wenn Magdeburg damit aus dem Rennen war, konnten sie dennoch stolz auf ihre Leistung sein, die sie nach vielen schwierigen Jahren erbracht hatten. Beim Aufeinandertreffen mit den Schanzern im Audi Sportpark kommen zwar keine schwierigen Jahre auf den FCM zu, schwierige 90 Minuten werden es aber bestimmt.
 


In der Ferne gab es für die Schanzer was zu feiern: 2:0 siegte der FCI vor rund einem Jahr gegen Magdeburg. (Foto: Bösl / KBUMM)

Auf die Aussprache kommt es an
Na kloar, die Schanzer können wat picheln, wenn am Sonntag nach dem Sieg die Mauken stinken und die Gegner bläken. Das war, zugegebenermaßen, nicht ganz Bayrisch. Denn wer pichelt, gönnt sich ein alkoholisches Getränk und zu bläken, also laut heulen, wird es für die Schanzer doch hoffentlich auch nichts geben. Die Magdeburger Mundart hat so ihre Eigenheiten. Verschiedene Regionen, verschiedene Dialekte – das ist klar. Aber auch die Mentalität spielt eine Rolle: Während manch einer dazu geneigt ist, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen und sich euphorisch zu freuen, grenzt der Ausspruch „Da kannste nicht meckern“ in Magdeburg fast schon an Ekstase. Man freut sich mehr innerlich. Und zu freuen wird es bei der Begegnung hoffentlich etwas für die Schanzer geben: drei Punkte zum Beispiel. Aber wir wollen ja gar nicht so sein und auch unseren Gästen eine Freude bereiten, zumindest, wenn es um die Aussprache ihrer Heimatstadt geht. Korrekterweise heißt es nämlich gar nicht „Maagdeburg“, sondern „Mackteburg“ oder „Machteburch“. Sollten solch kleine Dinge also schon Freude machen, dann wollen wir das gerne tun und sagen „Servus“ zu unserem Gegner aus Mackteburg. Wir hoffen, dass wir an der Stelle sprachlich alles richtig gemacht haben!

Future Card
Wie viele ehemalige „Ostvereine“ hat auch der 1. FC Magdeburg eine sehr bewegte Mehrmaliger Meister und Pokalsieger und das einzige DDR-Team mit Europacuptrophäe in der Vitrine – soweit die eine Seite der Medaille. Die andere: Vor der Regionalliga-Saison 2001/2002 stand der FCM kurz vor dem finanziellen Kollaps, im Sommer hatten sich alte Schulden und das notwendige Geld für den neuen Spielbetrieb summiert, es fehlten mehrere Millionen Euro. Der Sponsor "Kinowelt" ging im Streit. Das damalige Präsidium hatte die rettende Idee namens „Future-Card“. Spektakulär: Für einen Mindestpreis von 250 Euro – die meisten Fans gaben mehr – wurde knapp 2.700mal die Zukunft verkauft. Inhalt und Slogan: „3 Superspiele … Sie sind dabei!“ Mit der Future-Card erwarben die Besitzer den Eintritt zum ersten Regionalligaspiel der neuen Saison und – damals reines Wunschdenken – den Einlass zum ersten Spiel in einem neuen Stadion und zu einem möglichen ersten Zweitligaspiel. 17 lange Jahre später war es dann tatsächlich soweit. Zur Saison 2018/2019 war der 1. FCM in die Zweite Liga aufgestiegen und bestritt am 5. August sein erstes Heimspiel gegen St. Pauli. Übrigens wurden nur 365 Future-Cards gegen eine Eintrittskarte getauscht – alle anderen schätzten den symbolischen Wert als Andenken höher ein.

Heinz Krügel – Reizfigur für die Stasi, Kultfigur für die Fans
Heinz Krügel ist der erfolgreichste Trainer der Magdeburger Vereinsgeschichte und genießt bis heute bei den Fans absoluten Kultstatus. Der im Jahr 1921 geborene ehemalige DDR-Nationalcoach wechselte 1966 von Halle nach Magdeburg mit der Vorgabe, die Blau-Weißen nach deren Abstieg umgehend wieder in die Oberliga zu führen. Das Vorhaben gelang und damit begann nicht nur Krügels erfolgreichste Zeit als Trainer, sondern auch die des 1. FC Magdeburg. Als Wiederaufsteiger kamen die Sachsen-Anhaltiner sofort auf den dritten Platz und gewannen im folgenden Jahr 1969 den FDGB-Pokal. 1972 konnte Magdeburg die erste Fußballmeisterschaft feiern, der unter der Regie von Heinz Krügel 1974 und 1975 zwei weitere Titelgewinne folgten. 1973 holte der 1. FCM zudem zum zweiten Mal den DDR-Pokal. Alle diese Erfolge wurden jedoch überstrahlt vom Gewinn des Europokals der Pokalsieger.

1976 wurde Krügel vom DDR-Fußballverband als Trainer auf Lebenszeit gesperrt mit der Begründung, er habe die Leistungsentwicklung des Olympiakaders des 1. FC Magdeburg ungenügend gefördert. Wie Krügel später berichtete, sei ihm in einem Gespräch mit Verbandsfunktionären außerdem mitgeteilt worden, er sei als Fußballtrainer untragbar, weil er ein „Ost-West-Versöhnler“ wäre. Als wahrer Grund ist anzunehmen, dass Krügel unter anderem eine Beeinflussung seiner Arbeit durch die SED-Bezirksleitung nicht zuließ und beim Achtelfinale-Europapokalspiel gegen den FC Bayern München 1974, die von der Stasi in der Halbzeitpause abgehörten Anweisungen des Bayern-Trainers Udo Lattek nicht verwerten wollte. Krügel wurde als „Objektleiter“ zur unterklassigen BSG Motor Mitte Magdeburg abgeschoben und erst 1996 durch den DFB rehabilitiert. 2009 – im Jahr nach Krügels Tod – beschloss der Magdeburger Stadtrat, den Platz vor dem Magdeburger Stadion nach ihm zu benennen. 2013 startete der FanRat e.V. des 1. FC Magdeburg eine Initiative zur Ehrung seines ehemaligen Erfolgstrainers, indem vor dem Stadion am Heinz-Krügel-Platz ein Denkmal errichtet werden sollte. Durch den Kauf einer symbolischen Anteilsaktie im Wert von 19,74 Euro, in Anlehnung an das Jahr des Europapokalsieges, sollten 25.000 Euro eingesammelt werden. Letztendlich kamen über 27.000 Euro zusammen, und die lebensgroße Statue als postume Ehrung für Heinz-Krügel konnte am 17. August 2014 enthüllt werden.
 


Vom Punkt kein Glück für Stefan Kutschke: 0:2 im letzten Spiel gegen Magdeburg. (Foto: Bösl / KBUMM)

Auf Augenhöhe?
Die Magdeburger haben vor diesem elften Spieltag 8 Punkte und rangieren auf Tabellenplatz 19. Die Schanzer hingegen verbuchten bereits 17 Punkte und nehmen somit den dritten Platz ein. So weit so offensichtlich. Die tabellarischen Unterschiede zwischen beiden Teams lassen sich mit einem Blick ausmachen. Doch wir wären nicht die Schanzer, wenn wir nicht auch genauer hinschauen würden. Und der genauere Blick zeigt, bei allen tabellarischen Unterschieden, dass die Kontrahenten auch Ähnlichkeiten haben. Neben der Tatsache, dass beide Trainer Thomas heißen, wobei unser Coach Tomas Oral ohne h geschrieben wird, lassen sich auch bei den Kadern beider Mannschaften Ähnlichkeiten, ja fast schon Gemeinsamkeiten feststellen. Die deutlichste Übereinstimmung: Beide Teams sind gleich alt, oder sagen wir besser, gleich jung. Während die Jungs von Trainer Thomas Hoßmang im Schnitt 25,4 Jahre vorzuweisen haben, sind es bei den Schanzern 25,3 Jahre. Augenhöhe! Zum Vergleich: Nur der FC Bayern München II unterbietet diese Werte deutlich mit 21,1 Jahren. Die Kader von Tomas und Thomas sind somit in puncto Alter im unteren Drittel der Liga. Kleiner Fun-Fact: Während die Schanzer Startelf im Schnitt 25,6 Jahre alt ist, ergibt sich ein Durchschnitt für das gesamte Spiel von 24,9 Lenzen. Die Jungs von Tomas Oral werden im Spiel also immer jünger. So geht Anti-Aging!

Doch auch was die direkten Vergleiche der Spiele angeht, lassen sich Ähnlichkeiten zwischen den Oberbayern und den Sachsen-Anhaltinern ausmachen: So gab es in vier gemeinsamen Partien drei Mal ein Zu-Null Ergebnis und ein Remis. Das spricht durchaus für die weiße Weste der Keeper und zeigt, dass zwei traditionell abwehrstarke Teams aufeinandertreffen. Ein kleines Detail stört uns hier jedoch: Während der 1. FC Magdeburg zweimal zu Null gegen uns gewinnen konnte, gelang dies den Schanzern nur einmal – zudem setzte sich in der letzten Saison stets der Gast durch. Wir wissen, was das für das jetzige Spiel heißt: Zuhause zu Null gegen Magdeburg gewinnen. Für die Schanzer. Für die weiße Weste und natürlich für eine dann exakt ausgeglichene Bilanz.

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