Die Schanzer
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Starkes Duo: Michael Henke (links) und Florian Zehe bilden die sportliche Leitung bei den Schanzern (Foto: FCI).

"Der Schanzer Weg greift" - Das Profijahr 2020

Eine mehrwöchige Spielpause, Abbruch des Sommertrainingslagers am Tag der Abfahrt, Corona-Fälle, Geisterspiele und die (kurzzeitige) Rückkehr von bis zu 3.000 Zuschauern in den Audi Sportpark. Dies ist lediglich ein schneller Abriss des sportlichen FCI-Jahres 2020, bei dem das eigentliche Kerngeschäft weitestgehend in den Hintergrund rückte oder zumindest nicht annähernd wie gewohnt ausgeführt werden konnte. Und dennoch: Zweimal fehlten den Donaustädtern Sekunden zur sportlichen Rückkehr in die zweite Liga. Die Bilanz in diesem turbulenten Kalenderjahr: 15 Siege, elf Remis, zehn Niederlagen im Ligabetrieb, dazu ein knappes Pokalaus gegen die Fortuna aus Düsseldorf und der Last-Minute-K.O. gegen den "Club" in der Relegation (0:2 und 3:1). Direktor Sport Michael Henke und Florian Zehe (Technischer Direktor) erinnern sich und blicken nach vorne.

Jegliche Diskussion über das Geschehen auf dem grünen Rasen in 2020 fällt den Verantwortlichen nicht leicht, zu sehr dominierte Corona das Leben und Tagesgeschäft. Entsprechend stellt Michael Henke angesichts der aktuellen Pandemie-Entwicklung fest: „Corona betrifft einfach jeden, insofern sind wir weit davon entfernt, über unsere Situation zu jammern.“

Und trotzdem: Fußball scheint auch in Zeiten der Pandemie ein wichtiger Teil der Gesellschaft zu sein. ‚Die schönste Nebensache der Welt‘ brachte auch in viele Schanzer-Wohnzimmer wieder ein Stückweit Normalität. Insofern sei die Frage erlaubt: Was war das für ein sportliches Jahr für den FCI? Zehe: „Diese Rückschläge in der Frequenz im Sommer zu verarbeiten, das war neben dem Umgang mit der Pandemie sicherlich eine der großen Challenges des Kalenderjahres.“

Zur Erinnerung: Der FCI hatte im März nach vier Niederlagen Trainer Jeff Saibene beurlaubt und Tomas Oral zurückgeholt. Nach dem Negativtrend konnte man nach dem Re-Start im Mai tatsächlich noch auf die Aufstiegsränge vordringen - Aber weder beim 2:0-Sieg gegen 1860 in München (4. Juli), als ein unberechtigter Elfmeter in den Schlusssekunden des Spiels der Würzburger in Halle den direkten Aufstieg verhinderte, noch beim 3:1-Sieg im Rückspiel gegen Nürnberg, als der „Club“ in der bedenklichen Nachspielzeit der Nachspielzeit das rettende Anschlusstor erzielte, war unserem FCI ein „Happy End“ vergönnt. Ein Traum war geplatzt.


30 Spiele, dabei 15 Siege und sieben Remis seit Antritt im März: Unser Trainer Tomas Oral (Foto: Bösl / KBUMM).

Grundsatzfrage im März – Schanzer-Drama im Sommer

Doch das sommerliche Schanzer-Drama sollte noch ein weiteres Kapitel parat halten: Am 22. August plante der Tross den Aufbruch ins Trainingslager. Wenige Minuten vor der Abreise erhielt man dann einen positiven Corona-Befund, die Südtirol-Reise wurde zwangsläufig abgesagt. Aber: Was in Summe als Stoff für einen regionalen Krimi taugen könnte, hat die Schanzer-Familie irgendwie noch mehr „zusammengeschweißt“, sagt Zehe. Und Michael Henke ergänzt rückblickend: „Ich stelle einen unheimlichen Zusammenhalt im Verein fest, gerade als es dann im März mit der Diskussion über Fortsetzung oder Abbruch der Liga losging. Aber auch später, als es in den Englischen Wochen rund ging. Das zog sich durch den kompletten Club und führte dazu, dass wir den Nackenschlag der Relegation durchstehen konnten.“

Stichwort März: Fast in Vergessenheit geraten scheint heute, dass vor rund neun Monaten die Existenzgrundlage fast schon auf dem Spiel stand. Henke: „In der entscheidenden Phase hat sich die Situation permanent verändert. In der einen Woche hatten wir den Eindruck, dass es in die richtige Richtung läuft, dann drohte es wieder zu kippen.“ Gegen die Fraktion der „Spielwilligen“ hatte sich innerhalb der Liga eine Opposition gebildet, die sich für einen Wettbewerbsabbruch starkgemacht hat. Henke: „Die ganze Diskussion hat enorm schnell Fahrt aufgenommen. Sind wir froh, dass es heute ist, wie es ist und die Liga so durchläuft – wenn auch immer wieder Spiele ausfallen müssen.“ Damit das so bleibt, mahnt Zehe zur Sensibilität: „Umso wichtiger ist es, sich Woche für Woche wieder neu zu disziplinieren und dahingehend jegliche Müdigkeit zu vermeiden. Wir dürfen im Hinblick auf die Hygienemaßnahmen nicht lockerlassen, damit steht und fällt der Fortgang des Betriebs.“

Der Schanzer Weg: Ein Gerüst mit Erfahrung und viel Frischblut

Rückblick: Das Duo Zehe / Henke hatte im Sommer 2019 quasi eine Mammutaufgabe übernommen. Nach dem bitteren Abstieg aus der 2. Bundesliga stand man buchstäblich vor dem Nichts und baute eine komplett neue Mannschaft um das Gerüst mit einer Handvoll erfahrener Spieler auf. Auch heute bilden Kapitän Stefan Kutschke (32), sein Assistent Marcel Gaus (31), Björn Paulsen (29), Tobias Schröck (27) und Robin Krauße (26) das „Korsett“ eines  stark verjüngten Kaders. Henke heute: „Die langfristige Strategie, die wir uns vor eineinhalb Jahren vorgenommen haben, geht auf. Es fehlt das i-Tüpfelchen mit dem Aufstieg, klar.“


Wichtiges Führungsduo: Kapitän Stefan Kutschke und Stellvertreter Marcel Gaus (Foto: Bösl / KBUMM).

Der „Schanzer Weg“ lässt sich Woche für Woche aufzeigen, wenn die Profimannschaft im Audi Sportpark oder in einem der Stadien der 3. Liga einläuft. Beispiel: Vor dem letzten Spiel des Jahres in Saarbrücken von rund einer Woche setzten sich acht ehemalige NLZ-Spieler der Schanzer in den Mannschaftsbus. Beeindruckend: Zehn der 18 Kader-Spieler, namentlich Fabijan Buntic (23), Dennis Eckert Ayensa (23), Thomas Keller (21), Merlin Röhl (18), Ersatzkeeper Lukas Schellenberg (20), Fatih Kaya (21), Jalen Hawkins (19), Ilmari Niskanen (23), Filip Bilbija (20) und Patrick Sussek (20), waren an jenem Tag 23 Jahre jung oder jünger, kaum eine Liga-Konkurrent hat ähnlich junges „Spielermaterial“ zur Hand. Mit Justin Butler (19) war zudem ein 19. Spieler ebenfalls mit dabei und deutlich unter 23 Jahre jung. "Die Jungs müssen ihren Mann stehen und bekommen trotzdem die nötige Zeit, um sich zu entwickeln", hält Zehe fest.

Dieser Kurs dürfte sich einmal mehr auszahlen: In Kürze steht wieder die Berechnung der Förderungen aus dem Nachwuchsfördertopf des DFB an. Schon im vergangenen Sommer partizipierten die Donaustädter mit am Stärksten (Platz 4 in der Liga), damals blieben aber noch die erst zur Rückrunde aufgerückten Jalen Hawkins und Justin Butler unberücksichtigt. Zehe beschreibt den Drahtseilakt bei der Personalplanung: „Die Linie beizubehalten und den Spagat hinzubekommen zwischen Philosophie, die eigenen Jungs kontinuierlich zu entwickeln, gleichzeitig die kurzfristigen Ziele im Auge zu behalten, das ist eine Herausforderung. Dabei helfen uns natürlich auch die erfahrenen Akteure.“

Wie schon angedeutet: Von dem massiven Umbruch im Sommer 2019 inklusive der neuen Ausrichtung profitiert man bis heute. Henkes Analyse: „Damals haben wir sicherlich nicht alles, aber doch vieles richtig gemacht, aus heutiger Sicht. Daher haben wir ein stabiles Korsett und wenig Bedarf zur Nachjustierung.“ Auch im kommenden Sommer ist daher kein Komplett-Umbruch zu erwarten, insbesondere, wenn das sportliche Ziel des Aufstiegs erreicht werden sollte.

Bei Zehe treten mit Blick auf den Nachwuchsfußball dennoch leichte Sorgenfalten auf die Stirn. Schließlich schwebt das Damokles-Schwert Corona über allem – insbesondere den Plätzen der Amateur- und Jugendvereine. Auch im NLZ der Schanzer ruht der Spielbetrieb, das hat auf Sicht Konsequenzen: „Auf der einen Seite ist es klasse, dass wir so gute Jungs haben, die wir oben mit einbringen können, auf der anderen Seite fehlt dem 17-, 18- oder 19-Jährigen hier perspektivisch die Möglichkeit auf einen regelmäßigen Trainings- und Wettkampfbetrieb. Für die Gesamtsituation bei uns aber auch in den anderen Vereinen ist es daher schon hilfreich, wenn sich die Jugend in absehbarer Zeit wieder auf dem Fußballplatz austoben kann.“ Es bleibt die Hoffnung, dass die Maßnahmen der Pandemie-Bekämpfung bald fruchten.


Die jungen, Wilden: Dennis Eckert Ayensa (23) und Merlin Röhl setzen die Offensiv-Akzente (Foto: Bösl / KBUMM).

Ruhige Hand auf dem Transfermarkt und ein großer Wunsch für 2020

Trotz des enormen Vertrauens in den aktuellen Kader: Am 1. Januar öffnet das Transferfenster, das birgt grundsätzlich Chancen zu Veränderungen im Detail. Natürlich hat sich die sportliche Leitung über die Strategie für die kommende Wechselperiode ausgetauscht. Zehe: „Wenn sich die Möglichkeit ergibt, die uns insgesamt besser macht, denken wir darüber nach. Aber die Jungen machen es sehr gut, es kommen doch eine ganze Reihe an Rekonvaleszenten zurück, die den Kader noch stärker machen. Insofern gibt es keinen Druck.“ Und, auch nicht zu vergessen: Mit Maximilian Beister (Sieben Tore und vier Vorlagen im Vorjahr) kommt ein "Unterschiedspieler" in den Reihen des FCI bisher noch kaum zum Tragen.

Abschließend, was bleibt zu wünschen für das kommende Jahr, in dem die Pandemie zumindest vorerst wohl treuer Begleiter im tagtäglichen Arbeiten sein wird? „Wir versuchen ja wirklich permanent, die Nähe auf dem digitalen Weg zu erhalten, aber für 2021 ist der persönliche Kontakt zur Schanzer Familie wirklich ein ganz großer Wunsch“, trägt Zehe vor. Michael Henke hat in seinen gut 30 Jahren Erfahrung als Funktionsträger in der Branche viel gesehen, erlebt und vor allem auch gewonnen. Aber 2020 lässt auch für ihn nur ganz bescheidene Wünsche zu: „Da kann ich nur beipflichten. Gesundheit und Spiele mit Fans im neuen Jahr stehen da ganz oben."

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