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Geht nach drei Jahren von Bord: Trainer Alexander Ziegler hat mit den Fußballerinnen des FC Ingolstadt einen Aufstieg und zweimal den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga erreicht. | Foto: Imago Images

"Der Einsatz der Mädels ist faszinierend"

Nach drei Jahren hört Alexander Ziegler als Trainer der Zweitliga-Fußballerinnen des FC Ingolstadt auf. Dieser Artikel erschien im DK. 

Eine Entscheidung "aus dem Bauch heraus" sei es gewesen, sagt der 49-Jährige, der auf eine sportlich sehr erfolgreiche Zeit zurückblicken kann. Im Interview erzählt Ziegler, der im Hauptberuf als Krankenkassen-Fachwirt arbeitet, von den Herausforderungen in der Corona-Zeit, bewertet die Perspektiven der FCI-Frauen und verrät, was ihm besonders in Erinnerung bleiben wird.

 

Herr Ziegler, Sie haben in Ihren drei Jahren beim FCI eine Aufstiegssaison, eine abgebrochene Runde und eine Turbosaison mit vier Englischen Wochen erlebt. Langweilig war es Ihnen vermutlich nie.
Alexander Ziegler: Definitiv (lacht). Es waren drei richtig intensive Jahre, in denen wir sportlich einiges erreicht haben und ich viele tolle Menschen kennengelernt habe.

In der gerade beendeten Runde mussten Sie Fünfter von neun Teams werden. Ist dieser Klassenerhalt deshalb besonders viel wert?
Ziegler: Persönlich ist mir der vierte Platz viel wert, weil mir viel an meinen Mädels liegt. Manch einer hat gedacht, dass es durch die Teilung der 2. Bundesliga leichter werden könnte. Da habe ich bewusst gewarnt. Mir war klar, dass erst am letzten Spieltag alles entschieden sein wird.

Was waren die besonderen Stärken Ihres Teams?
Ziegler: Diese Mädels, das ist ein eingeschworener Haufen fußball-verrückter Frauen. Dieses Herzblut, dieser Einsatz, mit dem sie ihrem Hobby nachgehen ist schon faszinierend. Wir profitieren in finanzieller Hinsicht hier ja nicht von unserer Profiabteilung - wie etwa Bayern, Wolfsburg oder Hoffenheim. Wir sind beim FC Ingolstadt mehr oder weniger auf uns alleine gestellt. Und deshalb schaffen wir es vor allem durch das tolle Miteinander, dass wir hier Bundesliga spielen.

Damit haben Sie den finanziellen Nachteil gegenüber der Konkurrenz wettgemacht.
Ziegler: Nur so ist das möglich. Das ist unsere DNA, das genau ist die Fußball-Frauenabteilung des FC Ingolstadt.
Sie mussten lange auf den Trainingsstart warten, hatten keine Zuschauer und Auswärtsspiele wie das in Köln, zu dem Sie mittwochs um 11 Uhr antreten mussten. Wird der Frauenfußball in der 2. Bundesliga vom DFB stiefmütterlich behandelt?
Ziegler: Nicht nur beim Deutschen Fußball-Bund, leider auch bei den meisten Vereinen. Wenn man sieht, mit welcher Gewalt dieser enge Spielplan durchgedrückt wurde, das war schon ein echter Kraftakt. Bei unserem Spiel in Köln sind unsere Spielerinnen teilweise mit dem Zug hinterher gereist, um dabei sein zu können. Und wenn man dann hört, dass Niederkirchen antreten musste, obwohl sie nur neun Spielerinnen hatten, fragt man sich schon, ob es mit fairen Mitteln zugeht.

In Ihren drei Jahren beim FCI haben Sie einen Aufstieg und zweimal den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga erlebt. War das zu erahnen, als Sie 2018 die Aufgabe übernommen haben?
Ziegler: Ehrlich gesagt nein (grinst). Als ich beim ersten Training ein Fünf-gegen-Zwei habe üben lassen, bekam ich schon ein Stück weit Angst. Gerade im Bereich Athletik und Spieltempo haben wir dann einiges verändert, was für die Mädels nicht immer leicht war.

Heute steht die Frauenmannschaft des FCI für Offensivfußball und laufintensives, frühes Pressing. Mussten Sie viel Überzeugungsarbeit leisten?
Ziegler: Wichtig war, dass wir auch die Spielerinnen mit dem entsprechenden, extrem hohen Tempo im Kader hatten. Vielleicht hat nicht alles sofort funktioniert. Spätestens als wir erfolgreich in die Regionalliga gestartet sind, hat dann aber alles seinen Lauf genommen. Wir haben viele Konkurrenten damit überrascht.

Was wird Ihnen aus den drei Jahren in Erinnerung bleiben?
Ziegler: Als Erstes fallen mir die Aufstiegsspiele zur 2. Liga gegen Bocholt ein. Die wird keiner der Beteiligten so schnell vergessen. Aber auch unser erster Zweitliga-Sieg gegen Bielefeld war etwas ganz Besonderes. Danach wussten wir: Jetzt gehören wir dazu. Darüber hinaus gab es unzählige tolle Trainingseinheiten mit den Mädels und sehr, sehr viele geniale Auswärtsfahrten.
Können Ihre Fußballerinnen auch richtige Feierbiester sein?
Ziegler: (lacht) Ich sage nur: Es ist schon phänomenal, welche Energie diese Mädels auch nach einem kräftezehrenden Spiel noch raushauen. Aber sie haben ja auch recht, wenn sie nach wichtigen Siegen auch mal richtig Gas geben.

Sportlicher Erfolg, dazu ein toller Zusammenhalt. Warum hören Sie dann überhaupt auf?
Ziegler: Ende April, nach dem Spiel in Andernach - wir hatten 3:1 gewonnen - war das eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Die habe ich für mich allein getroffen. Neben einem normalen Job, der in der Regel früh um 7 Uhr beginnt, dann auch Trainer in der 2. Bundesliga zu sein und erst gegen halb zehn wieder nach Hause zu kommen - das ist schon recht intensiv. Nun wieder mehr Zeit für die Familie zu haben, ist etwas, worauf ich mich auch sehr freue.

Also kein Frust bei Ihnen aufgrund der Umstände?
Ziegler: Nein. Klar, mit wem ich von meinen Trainerkollegen auch spreche, eine Frauenabteilung wird nahezu überall stiefmütterlich behandelt. Ausnahme sind da einige große Klubs, wo zum Beispiel der Trainer nicht neben- , sondern hauptamtlich arbeiten kann. Ich bin aber nie einer gewesen, der da jammert.

Wie bewerten die Aussichten für die FCI-Frauen?
Ziegler: Dass die Mädels auch kommende Saison die 2. Liga halten, davon bin ich fest überzeugt. Grundsätzlich wird es schwierig bleiben, den Kader mit fertigen Spielerinnen zu verstärken, dazu fehlen die Mittel. Entsprechend wird die Ausbildung des Nachwuchses sehr wichtig bleiben.

Ist Ihr Abschied vom FCI auch ein Abschied vom Trainerjob?
Ziegler: Naja, wenn meine Frau irgendwann mal sagt, dass ich daheim im Weg rumstehe, werde ich schon mal wieder was machen, das ist absolut möglich (grinst). Aber es muss passen, das ist wichtig.

Bis dahin kommen Sie als Fan zu den Ingolstädterinnen?
Ziegler: Ja, das kann jederzeit passieren - und das wird in der nächsten Saison auch sicher einige Male so kommen.

 

Von Norbert Roth und Sabine Kaczynski (Donaukurier)
Zu dem Artikel auf der Homepage des Donaukurier geht es hier.

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