Die Schanzer
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Christian Träsch auf der Tribüne des MTV-Stadions

Träsch: Ein typischer Ingolstädter? Schau mich an!

Der "verlorene Sohn" ist heimgekehrt: Christian Träsch ist zurück an seinem Geburtsort Ingolstadt. Zurück in der Heimat, will sich der 30-Jährige mit seiner Familie seine Zukunft aufbauen. Schon zu Stuttgarter- und Wolfsburger Zeiten zog es den Familienmenschen immer wieder zurück auf die Schanz – wir haben mit ihm einen kleinen Spaziergang in die Vergangenheit gemacht. Viel Spaß!

fci.de: Servus Christian! Wann hast du angefangen, im Verein Fußball zu spielen?

Christian Träsch: Ich habe mit vier Jahren das erste Mal im Verein gespielt. Das war der TV 1861 Ingolstadt

fci.de: Wie kamst du zum Fußball?

Träsch: Schon sehr früh. Ich habe zum ersten Geburtstag von meiner Tante einen Ball geschenkt bekommen und ab da war es um mich geschehen. Dem bin ich nur noch hinterhergelaufen und glücklicherweise hatten wir direkt vor der Haustüre einen Bolzplatz – da konnte mich meine Mama hinschicken und immer von Oben schauen, was ich da so treibe. Heute stehen wir auf diesem kleinen Platz, auf dem mich mein Bruder hoch- und runtergescheucht hat. Ab und zu hat auch meine Mama mit mir gekickt.

fci.de: Liegt das Talent in der Familie?

Träsch: Mein Vater hat Fußball gespielt, allerdings hobbymäßig. Natürlich interessiert sich die ganze Familie für Fußball, zum Profi habe aber nur ich es geschafft.

fci.de: Hand aufs Herz – was war der erste Verein, den du toll fandest?

Träsch: In Ingolstadt ist diese Frage glaube ich leicht zu beantworten – den FCI gab es ja noch nicht. Das waren natürlich die Bayern. Damals war es so: Wenn du hier groß wirst, dann bist du Löwen- oder Bayernfan, vielleicht auch in seltenen Fällen Clubberer. Aber zum Glück ändert sich das durch die Schanzer ja jetzt.

fci.de: Wann war für dich klar, dass dich der Weg zu einer Profikarriere führen wird?

Träsch: Den ersten Kontakt zu Proficlubs gab es in der B-Jugend. Damals war Wolfgang Schellenberg, der mittlerweile Jugendkoordinator bei 1860 München ist noch beim 1. FC Nürnberg und wollte mich zum Club holen. Allerdings ging er dann zu den Löwen und das war mir lieber, weil die Anbindung nach München besser war. Allerdings wurde mir schnell bewusst, dass das mit Schule nebenher ein sehr großer Aufwand ist und deshalb bin ich mit 15 Jahren ins Internat gegangen.


Christian Träsch auf dem Bolzplatz im Westviertel, wo alles begann.

fci.de: Das ist genau in der Pubertät – das heißt auch, dass während deine Schulkameraden vielleicht das erste Mal raus gegangen sind du am nächsten Tag Training hattest?

Träsch: Ich habe nicht viel verpasst! Natürlich sind meine Kumpels in Ingolstadt auf Tour gegangen, aber ich war ja sowieso in München. Mein Vorteil war, dass ich Internat am Westpark war, wo nur die älteren Spieler beheimatet waren. Dementsprechend gab es keine wirkliche Kontrolle und wir waren auf uns alleine gestellt. Also durfte ich am Wochenende mit den Amateur- und A-Jugendspielern losziehen, die glücklicherweise schon einen Führerschein hatten.

fci.de: Wie war es für deine Eltern, dich ins Internat ziehen zu lassen?

Träsch: Mein Papa hat selbst in München gelebt und wusste um die Verführungen der Stadt. Meine Mutter war eher der Elternteil, der bedenken hatte. Aber sie hat mir immer vollstes Vertrauen gegeben und ich habe es nie missbraucht.

fci.de: Was waren deine Locations zum Weggehen auf der Schanz?

Träsch:Die gibt es schon gar nicht mehr! Damals war es das Tagblatt und das Nachtwind beim Café Mohrenkopf. Mittlerweile gehe ich nicht mehr wirklich auf die Piste, sondern genieße die Zeit mit meiner Familie. Damals bin ich gerne mal was trinken oder Karten spielen gegangen.

fci.de: Was macht für dich deine Heimat aus?

Träsch: Ich bin absoluter Familienmensch, deshalb hat es mich immer wieder hierher gezogen. Ob in spielfreier Zeit oder den Ferien – die Reise ging immer zurück auf die Schanz. Auch die Familie meiner Frau, die ebenfalls Ingolstädterin ist, lebt hier und zusammen haben wir noch fast alle unsere Großeltern, was mich sehr glücklich macht. Da gibt es also immer jemanden zu Besuchen und zum Zeit miteinander verbringen. Auch viele unserer Freunde, die in Ingolstadt geblieben sind haben sich gefreut, wenn wir vorbeigeschaut haben.


Für den MTV Ingolstadt spielte Träsch, ehe es ins Internat nach München ging.

fci.de: Was unterscheidet für dich Wolfsburg und Ingolstadt – oberflächlich betrachtet sind ja beides „Autostädte“?

Träsch: Wolfsburg ist gerade für Familien eine wirklich tolle Stadt. Allerdings ist Ingolstadt was Tradition und Historie anbelangt etwas ganz anderes. Wolfsburg wurde nach dem zweiten Weltkrieg quasi komplett neu aufgebaut, während Ingolstadt durch und durch Geschichte atmet. Das bedingt auch die bayerische Kultur, auf die wir sehr stolz sind und die gerade neue Spieler oftmals überrascht entdecken. In Wolfsburg dreht sich alles um VW – natürlich ist in Ingolstadt auch Audi sehr präsent, aber die Dimensionen sind andere.

fci.de: Wie ging der Weg weiter, nachdem du bei 1860 München angefangen hast?

Träsch: Es ging ziemlich schnell vorwärts – ich habe immer in den höheren Jahrgängen mitgespielt, bis ich bei den Amateuren ran durfte. Mein damaliger Trainer, Alfons Higl, ist dann zum VfB Stuttgart gegangen und war gemeinsam mit Armin Veh dort Trainer. Er hat mich immer wieder gepusht und gesagt: „Christian, bleib dran, trainiere hart und mach was aus deinem Talent“. Ein Jahr nachdem er in Stuttgart angefangen hat, kam dann der Anruf und die Frage ob ich mir vorstellen könnte, beim VfB zu spielen. Ich habe überhaupt nicht lange gezögert und wollte unbedingt diesen nächsten Schritt machen. Auch für meine Freundin, die jetzt natürlich meine Frau ist war das machbar, denn sie wollte studieren und konnte das in Tübingen machen. Sie hat mich immer unterstützt, wofür ich sehr dankbar bin.

fci.de: Also ein Abstecher in die schwäbische Provinz?

Träsch: Tübingen ist eine wunderschöne Stadt. Wir sind ab und zu mal dort, wenn es die Zeit erlaubt und natürlich haben wir gute Erinnerungen. Außerdem war ich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, denn in Stuttgart waren zu dieser Zeit fast alle Rechtsverteidiger verletzt, so bin ich zu meinen Einsätzen gekommen und konnte mich etablieren.

fci.de: Danach ging es nach Wolfsburg, also komplett raus aus Süddeutschland. Für dich als sehr heimatgebundenen Menschen doch sicher eine große Umstellung, oder?

Träsch: Meine Frau und ich haben uns lange zusammengesetzt, über diesen Schritt nachgedacht und uns dazu entschieden, ihn zu wagen. Wir haben immer gesagt, dass auch mal etwas Neues und Veränderung kommen müssen. Den Cut haben wir gemacht und auch nicht nachgetrauert. Ich hatte noch ein Jahr Vertrag und Wolfsburg war bereit, die Summe zu bezahlen.

fci.de: Danach ging es zurück nach Ingolstadt. Du hattest sicher noch andere Angebote – wieso fiel die Wahl auf den FCI?

Träsch: Eigentlich hatte ich auch dort noch einen Vertrag, der ein Jahr lief. Aber für mich war es immer klar, dass ich irgendwann für den FCI in meiner Heimat spielen will. So entstand der Kontakt mit Peter Jackwerth, den ich bereits aus MTV-Zeiten gekannt habe. Wir waren im Sommer Kaffee trinken und er hat mich gefragt, was ich mir denn so für die Zukunft vorstelle. Daraufhin habe ich klar gemacht, dass ich früher oder später zu den Schanzern will. Ich bin sehr froh, dass wir das dann schnell realisieren konnten. Ich habe in Wolfsburg zwar gespielt, allerdings nicht so regelmäßig, wie ich es mir gewünscht hätte, was daran lag, dass der Trainer nicht mehr so auf mich gebaut hat.


Träsch vor dem Schanzer Wahrzeichen: Dem Kreuztor.

fci.de: Damals gab es noch keinen Profiverein auf der Schanz und plötzlich stieg der FC Ingolstadt 04 immer weiter auf. Hast du uns auch zuvor schon verfolgt?

Träsch: Natürlich! Ich habe den FCI immer verfolgt, zumal er eine unglaublich rasante Entwicklung hingelegt hat. Ich glaube nicht, dass irgendjemand erwartet hat, dass es so schnell sogar in die Bundesliga geht. Als das gelang habe ich mich unglaublich für die Stadt und die Region gefreut, die aus meiner Erfahrung heraus sehr fußballbegeistert ist. Wie ich schon am Anfang erwähnte: Früher sind die meisten zu den Bayern, Löwen oder zum Club gefahren. Und auf einmal hatte man einen eigenen Verein in der höchsten Spielklasse. Das ist etwas, auf das man sehr stolz sein kann und wenn ich mich in der Stadt umgeschaut habe, dann waren da auf einmal mehr Kids im Schanzer- als im Bayerntrikot. Davor war Ingolstadt eigentlich nur für Eishockey bekannt und irgendwann ist auch mir in der Fremde der Wunsch gekommen, hier irgendwann mal noch als Profi aufzulaufen.

fci.de: In der Bundesliga bist du mit Wolfsburg auf die Schanzer getroffen und hast auch im Audi Sportpark gespielt. Was für ein Gefühl war das?

Träsch: Ein sehr schönes Gefühl. Alle meine Freunde und meine Familie waren im Stadion und haben mitgefiebert. Normalerweise würden sie natürlich zu Ingolstadt halten, aber ausnahmsweise mussten sie natürlich mich anfeuern. Und ich wollte ihnen natürlich zeigen was ich kann und warum ich in der Bundesliga spiele. Trotzdem bin ich sehr glücklich, dass ich mittlerweile auf der „richtigen“ Seite stehe und sie mich und die Schanzer anfeuern können.

fci.de: Mittlerweile baust du auch ein Haus hier – mehr Verwurzelung geht nicht. Heißt das, dass du uns lange erhalten bleiben wirst?

Träsch: Das ist immer schwer zu sagen, aber hätten wir das nicht vor, dann hätten wir uns etwas gemietet und nicht gleich gebaut. Mein Plan ist es auf jeden Fall, hier zu bleiben. Man weiß natürlich nie, was die Zukunft bringt, aber alle Zeichen stehen auf eine Zukunft auf der Schanz. Hier ist unser Zuhause, wo wir uns wohl fühlen und glücklich sind. Das gilt auch über meine Vertragsdauer hinweg.

fci.de: Neben dem FCI ist auch die Stadt mächtig gewachsen. Wie war es für dich, hier aufzuwachsen und diese Veränderungen mitzuerleben?

Träsch: Das war schon beeindruckend. Ingolstadt ist mittlerweile eine Großstadt und boomt unglaublich. Wenn ich an meine Kindheit denke, dann gab es bei weitem nicht so viele bebaute Flächen. Mein Bruder und ich sind im Westviertel aufgewachsen und in Richtung Gerolfing waren zwar Felder, aber noch nichts bebaut. Die Stadt entwickelt sich in einem unglaublich rasanten Tempo, was man auch an den Miet- und Grundstückspreisen merkt. Wir sind viel mehr als reines Münchener Einzugsgebiet und können sehr stolz auf unsere Stadt sein!

fci.de: Zum Abschluss: Wie ist für dich der typische Ingolstädter?

Träsch: Schau mich an! (lacht). Ich esse gerne Schweinsbraten mit Knödeln und fahre einen Audi. Aber Spaß beiseite: Für mich sind die Ingolstädter ein unglaublich freundlicher und höflicher Schlag Menschen mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit. Das erlebt denke ich auch jeder, den es hier an diesen Fleck verschlägt.


Christian Träsch zog es immer wieder zurück nach Ingolstadt - ob aus Stuttgart oder Wolfsburg.

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