„Warum klappt es zwischen den Kindern so gut und zwischen uns Erwachsenen so schlecht?“

Sabrina Wittmann, Enver Maltas, Sebastian Wagner, Miky Njike, Dietmar Beiersdorfer und Italo Mele (v. l. n. r.; Foto: FCI).

„Warum klappt es zwischen den Kindern so gut und zwischen uns Erwachsenen so schlecht?“

Mit diesem Zitat beschreibt Gerald Asamoah im Film ‚Schwarze Adler‘ seine Erfahrungen zum Thema Rassismus. Am Mittwochabend fand die gemeinsam mit der Stadt organisierte Diskussionsrunde mit dem Titel ‚Rassismus im Sport – früher wie heute‘ statt. Die Schanzer setzten so – gemeinsam mit der Stadt – ein deutliches Zeichen gegen Rassismus. Zu den geladenen Podiumsgästen zählten unter anderem FCI-Geschäftsführer Sport und Kommunikation Dietmar Beiersdorfer, U 19-Trainerin Sabrina Wittmann sowie deren Co-Trainer Enver Maltas.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeisterin Dr. Dorothea Deneke-Stoll übernahmen Dr. Susanne Greiter und FCI-Stadionsprecher Italo Mele die Moderation. Das Duo führte in den Räumlichkeiten der Volkshochschule Ingolstadt durch den Abend. Nach einer kurzen Vorstellung der Podiumsgäste, zu denen neben dem besagten FCI-Trio auch Sebastian Wagner (Leiter des Fanprojekts Ingolstadt) und Miky Njike (ein aus Kamerun stammender Schiedsrichter und Hobbyfußballer) gehörten, wurden die ersten Szenen aus ‚Schwarze Adler‘ gezeigt.

Der Dokumentarfilm beleuchtet das Thema ‚Alltagsrassismus‘, mit dem Fußballerinnen und Fußballer in der deutschen Nationalmannschaft sowie im Profi-Fußball selbst in Kontakt gekommen sind. Im April dieses Jahres wurde der 2021 erschienene Streifen mit dem Laureus-Award in der Kategorie ‚Athlete Advocate of the Year‘ ausgezeichnet. Am Mittwochabend waren die Ausschnitte Diskussionsanstoß für das Gäste-Quintett, welches von ihren Erfahrungen mit Rassismus berichteten.

„Für uns alle geht es darum, den Menschen – unabhängig von seiner Herkunft – Respekt und Wertschätzung entgegenzubringen. Das ist besonders im Sport sehr gut möglich, weil man als Team und als eine Einheit agieren muss, um auch die letzte Energie auf den Platz zu bringen und erfolgreich zu sein“, so Dietmar Beiersdorfer, der anfügt: „Mit dem Sport, der Schule und Bildung haben wir Instrumente, die wir dafür nutzen können und müssen. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen – egal, ob das die Stadt, die Jungs auf dem Platz oder die Breite Öffentlichkeit ist.“

Angesprochen, wie sie auf einen rassistischen Vorfall reagieren würde, erklärte Sabrina Wittmann: „Komplett losgelöst von irgendwelchen Ergebnissen werden wir so etwas nicht tolerieren. Ich möchte, dass wir in so einer Situation gemeinsam aufstehen und sagen, dass wir nicht weiterspielen werden.“ Die Übungsleiterin, die auch in ihrem Kader Spieler unterschiedlicher Nationalitäten hat, weiter: „In den vergangenen Jahren war ich schon das eine oder andere Mal geschockt, als ich durch die Blume die Probleme der Jungs gehört habe. Das hat mich die Jahre über schon sehr geprägt.“

Co-Trainer Enver Maltas, mit türkischen Wurzeln in Deutschland aufgewachsen, berichtet: „Als Kind ist einem diese Ausgrenzung noch nicht so wirklich bewusst, man realisiert das erst mit der Zeit. Fußball ist dabei auch ein Ventil und die Bestätigung: Man spielt aufgrund seiner Fähigkeiten und nicht, weil man eine bestimmte Person ist. Dort ist die Herkunft komplett irrelevant, weshalb Fußball für mich schon auch eine gewisse Art der Selbstbestätigung war.“

Nach rund zweieinhalb Stunden intensiver Gespräche, in denen die Protagonisten ihre Eindrücke und Erfahrungswerte mit dem Publikum teilten, endete die Veranstaltung.