5 Jahre Flashback: Als der Wahnsinn ein Gesicht bekam

Marvin Matip (rechts) verlor nach seinem Last-Minute-Tor buchstäblich die Kontrolle, Stefan Lex und „Gelegenheits-Stürmer“ Andre Mijatovic (links) kannten ebenfalls kein Halten mehr (Foto: Bösl / KBUMM).

5 Jahre Flashback: Als der Wahnsinn ein Gesicht bekam

Fußball-Romantiker kommen derzeit auf ihre Kosten: Öffentlich-rechtliches wie auch privates Fernsehen zeigen seine „Archiv-Perlen“ mit sportlichem Zuschnitt, etwa die Highlights lange vergangener Weltmeisterschaften. Aber auch die Schanzer haben in ihrer bisher jungen Historie schon die eine oder andere, denkwürdige Marke gesetzt. Heute vor fünf Jahren setzten die Donaustädter vor weit über 10.000 Fans im Audi Sportpark einen Meilenstein: War der Heimsieg gegen RB Leipzig am 17. Mai 2015 der letzte Kraftakt mit geschichtsträchtiger Aufstiegfeier in die Bundesliga, so war der 3:2-Last-Minute-Triumph vier Wochen zuvor gegen Fortuna Düsseldorf wohl der eigentliche Tür-Öffner zum Oberhaus.

So zumindest erzählen es sich die vielen Protagonisten von damals. Einer davon ist längst eine Vereinslegende: Kapitän Marvin Matip schädelte quasi mit dem Schlusspfiff zum Sieg ein und setzte dann zum furiosen Sprint in die Kurve an. Der Rest war Extase pur, heute vor exakt fünf Jahren…

Aber wie kam es eigentlich zu diesem kuriosen Heimsieg an einem denkwürdigen Freitagabend in Ingolstadt? Eins nach dem anderen…. Es ist der 29. Spieltag der Saison 14/15, die Schanzer dominieren damals die 2. Bundesliga und stehen mit einem Punktepolster auf Platz 1. Aber der Schein trügt, noch sind es sechs Spiele und die Verfolger Lautern, Darmstadt und Karlsruhe sind zumindest in Sichtweite.

Das Spiel beginnt nicht gut für die Hausherren, obwohl die Rheinländer schon nach 29. Minuten dezimiert sind: Kapitän Adam Bodzek fliegt mit Rot vom Platz, Überzahl für die spielerisch blendend agierenden Ingolstädter unter der Leitung von Trainer Ralph Hasenhüttl. Doch Alfredo Morales vergibt den fälligen Elfmeter (30.). Es kommt noch schlimmer: Joel Pohjanpalo bringt die Fortuna kurz darauf in Front (33.). Später gleicht der eingewechselte „Bomber“ Moritz Hartmann verdient aus (65.), bevor Ilhas Bebou wieder für die Gäste einnetzt (73.). Es scheint einfach nicht der Tag des FCI zu sein, was nur ganz selten in jener Spielzeit vorkommt: Vorne klappt es einfach nicht und das Prunkstück, unsere Innenverteidiger um Kapitän Matip und Benjamin Hübner, der heute in Hoffenheim die Mannschaft aufs Feld führt, muss zweimal zusehen, wie Keeper Ramazan Özcan hinter sich greift. Dabei gilt das „Trio“ als bombensicher und war zuletzt dreimal in Folge ohne Gegentreffer geblieben. Die Frage: Geht dem Liga-Primus denn ausgerechnet an einem Freitagabend im Audi Sportpark die Puste aus?


Großer Radius, großes Kämpfer-Herz und auch groß beim Feiern: Pascal Groß war in jener Saison gern gesehener Kurven-Gast (Foto: Bösl / KBUMM).

Mitnichten. Hasenhüttl zieht den letzten Joker, André Mijatovic, eigentlich Verteidiger und mittlerweile schon 35 Jahre alt, kommt einmal mehr an vorderster Front. Jetzt wird es pragmatisch, auch so eine Qualität der Aufstiegsmannschaft von damals – denn wenn nichts mehr half, hatten die Schanzer noch ihre Standards und mit dem „Dominator“ Pascal Groß, damals einen Meisterschützen in dieser Disziplin. Selbst die Fachmagazine und einschlägige Foren hatten beim Mitzählen seiner Scorer-Punkte längst das Handtuch geworfen und begnügten sich mit groben Richtwerten, dem Vernehmen nach netzte der gebürtige Mannheimer sieben Mal und assistierte 23 Mal. Aufgeben war ohnehin ein Fremdwort für die Schwarz-Roten, die insgesamt lediglich vier Saisonpleiten hinnehmen mussten.

Zurück ins Geschehen, denn jetzt wird’s turbulent: Zunächst fand ein Groß-Freistoß den Kopf des Australiers Mathew Leckie (86.), der viel umjubelt einköpfte. Da sich bei den Konkurrenten um den Aufstieg auch Unentschieden andeuteten, war die Welt auf der proppenvollen und bestens gelaunten Südtribüne in Ordnung: Alle auf Abstand gehalten! Doch die Peak war an jenem Abend noch nicht erreicht. Tapfer kämpfende Düsseldorfer, die mit Michael Rensing an jenem Tag einen überragenden Rückhalt hatten, wehrten sich in der Nachspielzeit mit Händen und Füßen gegen den dritten Treffer, auf Kosten eines weiteren Freistoßes rund 25 Meter vor dem Gehäuse. Einmal mehr wie gemalt für den Mann mit der Nummer 10 auf dem Rücken, der mittlerweile im dritten Jahr in Brighton & Hove in der Premier League für Furore sorgt.

Nun fand der umsichtige Spielgestalter mit einem gefühlvollen Flankenball seinen Kapitän an vorderster Front, und Matip erzielte sein zweites von insgesamt drei Saisontoren in der Spielzeit 14/15. Kurze Zeit später Pfiff Schiedsrichter Dr. Jochen Drees die Begegnung ab, die Schanzer feierten gemeinsam mit den Fans eine Mordsparty im Audi Sportpark und möglicherweise auch noch zu späterer Stunde in der Innenstadt. Sieben Punkte betrug der Vorsprung nunmehr auf den Verfolger Kaiserslautern und man feierte die Momentaufnahme. Erst später wurde den meisten bewußt, dass man an jenem Freitagabend, den 17. April 2015, den entscheidenden Schritt zum Aufstieg geschafft hatte.

Fünf Jahre später haben vier der damals eingesetzten Akteure ihre aktive Karriere beendet, sechs der Jungs spielen in der Bundesliga bzw. Premier League. Vier weitere Spieler sind in den Ligen 2 bis 4 aktiv. Ihnen allen sowie auch den Schanzern, die an jenem Abend nicht im Kader standen, danken wir für eine großartige Zeit und einen unvergessenen Abend, an den wir uns heute, exakt fünf Jahre danach, ganz besonders gerne zurück erinnern. Ihr seid Schanzer-Legenden!


Kein Halten mehr: Die Schanzer bejubeln ihren 3:2-Heimerfolg. Zwar verfügte man über individuelle Qualität, aber im Kern zeichnete sich die Mannschaft insbesondere durch eines aus: Es herrschte ein unüberwindbarer Zusammenhalt (Foto: Bösl / KBUMM).

So spielte unsere Aufstiegsmannschaft heute vor fünf Jahren: Özcan – Levels (61. Hartmann), Matip (C), Hübner, Soares – Groß, Roger, Morales (53. Pledl) – Lex, Hinterseer (77. Mijatovic), Leckie

Den vollständigen Spielbericht von damals gibt es HIER zum Nachlesen. Viel Spaß!