„Ein echter Schanzer geworden“: Wie ein japanischer Praktikant den Weg auf die Trainerbank fand

Verbrachte ein spannendes und lehrreiches Jahr beim FC Ingolstadt 04: Hideki Ogawa. (Foto: FCI)

„Ein echter Schanzer geworden“: Wie ein japanischer Praktikant den Weg auf die Trainerbank fand

Aus Asien auf die Schanz und von dort zu den Profis und unserer U 21: Hideki Ogawa wollte als Praktikant eigentlich nur von unseren Nachwuchs-Trainern lernen, doch für den japanischen Verbandstrainer kam es am Ende ganz anders. Ob als Übersetzer und Unterstützer für unsere japanischen Spieler oder U 21-Co-Trainer, Hideki gehörte schnell zum Inventar der Schanzer. Wir haben mit ihm sein Jahr in Ingolstadt Revue passieren lassen und gemerkt, dass wir auf jeden Fall einen glühenden FCI-Fan mehr im asiatischen Raum haben. Viel Spaß mit dem Interview!


Japanisches Trio: Hideki Ogawa mit den Schanzern Ryoma Watanabe und Takahiro Sekine.

fci.de: Servus Hideki, du hast ein ganzes Jahr bei den Schanzern verbracht und Einblicke in zahlreiche Bereiche erhalten. Nun verlässt du uns nach dieser spannenden Zeit wieder. Welches Gefühl überwiegt nun: Freude über die Rückkehr in die Heimat oder Trauer, dass diese Zeit nun endet?

Hideki Ogawa: „Ich wäre wirklich sehr gerne noch länger hier geblieben und gehe schon mit einem weinenden Auge. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass die Zeit hier in Ingolstadt bislang die schönste meines Lebens war. Ich hatte großes Glück, diese Gelegenheit zu bekommen und ich möchte mich bei allen Verantwortlichen herzlich bedanken – es war wirklich unglaublich, wie ich hier aufgenommen und eingebunden wurde!

fci.de: Tatsächlich kamst du als Praktikant, der zunächst bei unseren NLZ-Trainern eher passiv Einblicke erhalten sollte – doch es kam anders als erwartet…

Ogawa: Allerdings! Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Roland Reichel, der sportliche Leiter des NLZ, hat es mir ermöglicht, hier als japansicher Verbandstrainer ein Praktikum zu absolvieren. Dass ich dann eine ganze Zeit beim Profi-Team als Übersetzer für die japanischen Spieler verbringen und sogar beim Trainingsbetrieb helfen durfte, hätte ich mir nie träumen lassen. Für diese Einblicke und das Vertrauen möchte ich mich besonders bei Harald Gärtner, Stefan Leitl und seinem Team bedanken. Zur Rückrunde habe ich dann im Trainerteam der U 21 mitgearbeitet, so nah dran zu sein war extrem wertvoll und gleichzeitig schön für mich.

fci.de: Man hat dich vor allem zu Beginn immer mit einem Schreibblock und Stift in der Hand gesehen. Was konntest du aus deiner Zeit konkret für deine Arbeit mitnehmen?

Ogawa: Es ist schwer, das in wenige Worte zu fassen. Ich habe sehr viel über die Zusammenstellung und Leitung einer Mannschaft gelernt, das hatte ich als Praktikant eigentlich gar nicht so erwartet. Natürlich nehme ich auch unheimlich viele Trainingsinhalte mit. In Japan trainieren wir häufig ohne viel Gegnerkontakt und legen viel mehr wert auf Passspiel und Technik, doch gerade der Zug zum Tor und Durchsetzungsfähigkeit fehlt vielen Japanern. In diesen Bereichen konnte ich viele wertvolle Erfahrungen sammeln, die unsere Philosophie verändern werden.


Hideki Ogawa sammelte beim FCI zahlreiche wertvolle Erfahrungen für seine Aufgabe als japanischer Verbandstrainer.

fci.de: Was war dein schönster Moment und was wird dir am meisten fehlen?

Ogawa: Es gab so viele verschiedene Momente, doch ich durfte sogar zweimal an der Außenlinie bei Spielen der Profis dabei sein, das waren definitiv Highlights. Ansonsten wird mir vor allem der direkte Kontakt zu den Schanzern fehlen. Ich habe hier viele Freundschaften geschlossen und Menschen kennengelernt, die ich nicht vergessen werde. Es ist für mich schon ein emotionaler Abschied, denn ich bin ein echter Schanzer geworden.

fci.de: Wie geht es jetzt für dich weiter?

Ogawa: Ich reise zurück in meine Heimat und werde dort meiner Tätigkeit als Verbandstrainer nachgehen. Ich arbeite an einer Akademie, an der ich unterschiedliche Jugend- und Auswahl-Teams trainiere oder die Trainerausbildung mit vorantreibe. Ich werde viel unterwegs sein und mein neues Wissen hoffentlich gut einbringen können. Mein Traum bleibt aber irgendwann nach Deutschland zurückzukehren und hier eine Mannschaft trainieren zu können. Fußball hat hier einfach einen so hohen Stellenwert, dieses Land ist etwas ganz Besonderes und so wäre es für mich das Größte hier eines Tages arbeiten zu können.

fci.de: Vielen Dank für das Interview, Hideki! Wir wünschen die für deine Zukunft nur das Beste!