Eine Frage der Ehre – Das Ehrenamt bei den Schanzern

Schanzer durch und durch: Arwed Jacobs (links) und Jürgen Filip unterstützen ihren Verein ehrenamtlich. (Foto: FCI)

Eine Frage der Ehre – Das Ehrenamt bei den Schanzern

Rund 30 Millionen Menschen in Deutschland sind als Ehrenamtliche tätig. Das Ehrenamt erstreckt sich über alle gesellschaftlichen Belange: Von Sport und Kultur, über Politik bis hin zu Sozialem oder Umwelt- und Naturschutz. Gerade in kleineren Organisationen oder Institutionen, wie sie im Falle zahlreicher kleiner Sportvereine oder etwa dem örtlichen Tierschutzverein vorkommen können, ist die Mithilfe der Ehrenamtlichen unentbehrlich. Grund genug also, den vielen Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtlern einmal Danke zu sagen, für die Leistung, ohne die es unserer Gesellschaft nicht ganz so gut gehen würde. Der Tag des Ehrenamts am 5. Dezember – auch Tag des Heimspiels gegen den VfB Lübeck – ist ein willkommener Anlass, um vorab mit Jürgen Filip und Arwed Jacobs zwei Ehrenamtliche im Interview mit fci.de zu Wort kommen und sich von ihrer ganz eigenen Geschichte zu inspirieren zu lassen.

fci.de: Servus Jürgen, Servus Arwed. Erst einmal vielen Dank, dass ihr Euch die Zeit nehmt und unsere Fragen beantwortet. Wir können uns zwar nicht live sehen, aber mit der Telefonkonferenz klappt es ja auch ganz gut. Zum Einstieg, was genau ist denn euer Ehrenamt?

Jürgen Filip: „Kurz vorweg: Ich bin geborener Schanzer und schon seit 2007 als Ordner beim Verein. Mein Ehrenamt ist in der Fanbetreuung des FCI, wo ich Sebastian Wagner bei seiner Arbeit rund um die Fans und den FC Ingolstadt 04 unterstütze. Gerade an den Spieltagen gibt es da – unter normalen Umständen – viel zu tun, angefangen beim Beantworten der Fragen von Fans – das klassische ‚Wo-ist-Was‘ und wir helfen bei Problemen, schlichten und vermitteln. Wir sind da im Prinzip die Schnittstelle zwischen Fans und dem Verein. Mein zweites Ehrenamt liegt im schulischen Bereich, dort bin ich langjährig als Elternbeiratsvorsitzender tätig gewesen und nun als Schnittstelle zwischen Schule, Eltern und Schülern als Fördervereinsvorsitzender.“

Arwed Jacobs: „Ich bin beim FC Ingolstadt 04 der Fanbeauftragte für politische Bildung und unterstütze mit meiner Aufgabe die Fanarbeit. Als Verein haben wir ja auch eine gesellschaftliche Aufgabe und da ist für mich die Frage, wie können wir als Verein Geschichte und politischee Bildung vermitteln? Die Idee ist, Dinge zu entwickeln die in der Fan-Szene ankommen und ein breites Spektrum abdecken. Gerade das Thema Geschichte hat in letzter Zeit unsere Agenda bestimmt. Meine Arbeit ist eher eine Arbeit im Hintergrund, zumindest bin ich mit dem, was ich mache, an den Spieltagen nicht so sehr im Fokus.  Ich habe auch noch ein zweites Ehrenamt als Jugendfußballtrainer. Dort ist der große Reiz zu sehen, wie über den Fußball oder über Sport generell, Integration gelingen kann. Die Herkunft ist egal, wir sind immer ein Team.“

fci.de: Wie kam es dazu, dass ihr euch ehrenamtlich engagiert?

Filip: „Das war Zufall. Wir hatten damals ein Auswärtsspiel in Oberhausen und ein befreundeter Ehrenamtler, der zur damaligen Zeit schon als Fanbeauftragter arbeitete, sprach mich an, ob ich Lust habe, mich dort zu engagieren. Das war im Prinzip der Startschuss in der Fanbetreuung. Zuvor war ich nach „Werbung“ eines Bekannten bereits als Ordner im MTV für den FC Ingolstadt 04 tätig.“

Jacobs: „Ich bin beim FCI sowieso im Fanclub und als Fan aktiv und da auch schon in Erscheinung getreten, zum Beispiel mit der Schanzer Wallfahrt. Bei so etwas kann man ein breiteres Publikum ansprechen und es findet ein spannender Austausch in Gesprächen mit den Menschen statt, der zum Nachdenken anregt. Die Idee, die politische Bildung über den Verein zu etablieren, habe ich mit Basti Wagner zusammen entwickelt. Da kam eins zum anderen.“

fci.de: Seit wann seid ihr Ehrenamtler und wie groß ist der zeitliche Aufwand für euch?

Filip: „Nun schon seit rund 25 Jahren. Ich betreibe, wie gesagt, ja auch noch ein zweites Ehrenamt im schulischen Bereich. Auf die Schanzer bezogen steht und fällt alles mit den Spieltagen und dem Spielgeschehen: Das sind am Spieltag etwa vier bis fünf Stunden Zeit, die das ganze in Anspruch nimmt. Bei Auswärtsfahrten kommt es auf die Entfernung an, aber ein bis zwei Tage können da auch schon mal ins Land gehen. Pro Woche betrachtet sind es etwa fünf bis zehn Stunden, die ich investiere. Mittlerweile ist ja alles eingespielt, man kennt sich und weiß, wer was macht. Nur schade, dass wir aktuell ausschließlich ‚Geisterspieltage‘ erleben, wenn auch aus gutem Grund.“

Jacobs: „Ehrenamtlicher Jugendtrainer bin ich schon seit neun Jahren. Das Ehrenamt mit der politischen Bildung bei den Schanzern mache ich seit diesem Jahr. Aktuell werden wir leider von der Corona-Situation ausgebremst. Da können wir kaum Aktivitäten unternehmen. Immerhin: Planen und Ideen sammeln können wir, wobei wir nicht wissen, wie oder wann wir etwas umsetzen können.“

fci.de: Ihr gebt viel im Ehrenamt – was gibt das Ehrenamt euch?

Filip: „Jemanden zufriedenstellen, indem man etwa ein Problem oder einen Konflikt gelöst hat, eine Frage beantworten oder weiterhelfen konnte, das macht mich glücklich. Materiell kann man das gar nicht beziffern, darum geht es ja nicht. Die ehrenamtliche Leistung kann und sollte nicht materiell festgemacht werden. Wenn wir zum Beispiel einen Spieltag habe und ich setze mich dafür ein, dass ein Konflikt bei den Fans friedlich gelöst werden kann, dann haben wir Ruhe um das Spiel herum. Das hat einen positiven Effekt auf die Spieler, die sich auf ihr Spiel konzentrieren können und geht ja zurück auf meine Arbeit. Das freut mich sehr.“

Jacobs: „Das muss ich etwas abstrakter beantworten. Unsere Gesellschaft, Demokratie und der Fußball geben mir sehr viel, da möchte ich auch etwas zurückgeben. Ich habe selbst Kinder, arbeite gerne mit Kindern und da ist es für mich klar, mich auch für sie einzusetzen.“

fci.de: Was macht ihr, wenn ihr nicht als Ehrenamtliche tätig seid?

Filip: „Ich bin beim BAMF (Anm. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) im Datenqualitätsmanagement, aber zurzeit „ausgeliehen“ an die Agentur für Arbeit, wo ich mich um die Kurzarbeiteranträge kümmere.“

Jacobs: „Ich bin ein Familienmensch, habe ja wie erwähnt selbst Kinder und bin ansonsten beruflich in Führungsfunktion im Technikbereich einer Fluggesellschaft.“

fci.de: In Deutschland gibt es circa 30 Millionen Ehrenamtliche. Habt ihr im Familien- und Bekanntenkreis Leute, die ebenfalls ehrenamtlich engagiert sind?

Filip: „Mein Sohn ist in der Behinderten-Fanbetreuung ehrenamtlich tätig. Ansonsten hat man automatisch viele Kontakte im Freundeskreis, die ebenfalls ehrenamtlich engagiert sind, da sich über das Ehrenamt eben jene Freundschaften ergeben. Das ist der positive Nebeneffekt des Ganzen, um nochmal die Frage aufzugreifen, was das Ehrenamt einem gibt. Man hat schließlich mit den unterschiedlichsten Leuten zu tun: Von den Fans, über Polizisten bis hin sogar zu Politikern und Ministerpräsidenten.“

Jacobs: „Im direkten Umfeld sind es die Trainer, von denen ich weiß, dass sie Ehrenamtler sind. Im Privaten Kreis bekommt man so etwas oft gar nicht mit, da viele ihr Ehrenamt unter Wert verkaufen und damit nicht hausieren gehen. Die wenigsten sagen, dass sie ehrenamtlich engagiert sind. Das ist im Grunde ziemlich schade, da ein ehrenamtliches Engagement viel mehr gewürdigt werden sollte.“

fci.de: Habt ihr schon mal daran gedacht, hinzuschmeißen?

Filip: „Ans Hinschmeißen direkt nicht, nein. Aber pausiert habe ich schon mal. Da habe ich mir aus privaten Gründen ein Jahr eine Auszeit vom Ehrenamt genommen. Hinschmeißen würde ich dieses Amt auch nicht, denn wenn es etwas gibt, das störend ist, das abgestellt werden muss, dann redet man miteinander und findet gemeinsam eine Lösung. Jedes Ehrenamt kann ab und zu ja auch mal eine Last sein.“

Jacobs: „Ja daran gedacht schon, aber ich habe nicht hingeschmissen. Es passieren im Laufe der Jahre immer mal wieder Dinge, wo man sich fragt, passt das mit dem Ehrenamt noch alles oder nicht mehr.“

fci.de: Wünscht ihr euch, dass sich noch mehr Menschen ehrenamtlich engagieren?

Filip: „Definitiv. Jeder sollte einmal eine ehrenamtliche Tätigkeit ausüben, damit man ein Gefühl bekommt, wie es ist, andere zu unterstützen und wenn es nur ein paar Stunden im Monat sind. Im Privaten kann man da schon viel machen, beispielsweise für ältere Menschen in der Nachbarschaft die Einkäufe übernehmen. Das ist ja auch aus aktuellem Anlass keine so schlechte Sache.“

Jacobs: „Ich würde mir wünschen, dass das Ehrenamt noch präsenter behandelt und wertgeschätzt wird, da bislang zu wenig im Fokus steht, was alles ehrenamtlich geleistet wird.“

fci.de: Um diesen Fokus möchten wir uns auch ein Stück bemühen und passend zum Tag beziehungsweise der Woche des Ehrenamts Euch sowie Eure Tätigkeit stellvertretend hervorheben und DANKE sagen. Für euren Einsatz aber auch für Eure Zeit und das kurzweilige Interview!