FCI-Premiere in der „Stadt der sieben Türme“: Das ist der VfB Lübeck

Flutlichtatmosphäre an der Lohmühle in Lübeck (Foto: Christian Jessen / VfB Lübeck).

FCI-Premiere in der „Stadt der sieben Türme“: Das ist der VfB Lübeck

Wer begegnet uns in der „Neuen“ 3. Liga ab September? Das erfahrt ihr im Rahmen unserer Portrait-Reihe. Diesmal stellen wir euch mit dem VfB Lübeck einen echten „Newcomer“ für unsere Anhänger vor. Lediglich die Hartgesottenen werden sich erinnern, dass die Schanzer zumindest einmal auf deren Anlage ein Pflichtspiel bestritten haben. Viel Spaß bei der Lektüre!

Historie


Die Fußballer des VfB Lübeck blicken auf eine bewegte Geschichte zurück (Foto: Jessen / VfB Lübeck).

Die Jahre von 1919 bis heute sind eine so bewegte Zeit mit geschichtlichen Ereignissen von einmaliger Bedeutung, dass der Blick zurück absolut lohnt. Begonnen hat es 1919 mit dem „Ballspielverein Vorwärts“, der sich aus dem losen Verband des Straßenfußballclubs „Hansa“ bildete. 1921 wurde die „Sportvereinigung Polizei Lübeck“ ins Leben gerufen, die dann im Jahr 1931 den „VfR Lübeck“ in seine Reihen aufnahm. Der VfR setzte sich seinerzeit aus den Vereinen „Allemania“ und „Germania Lübeck“ zusammen. Die beiden Vereine entwickelten in den Jahren nach ihrer Gründung einen regen Sportbetrieb und konnten bei ständig wachsenden Mitgliederzahlen ein umfangreiches Repertoire an Sparten aufweisen. Auch die ersten sportlichen Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Die Lübecker Bevölkerung nahm regen Anteil am sportlichen Geschehen.

Umso mehr hat es sie getroffen, als 1933 die zwangsweise Auflösung des „BSV Vorwärts von 1919“ erfolgte. Die NSDAP war an die Macht gekommen. Alle Arbeiter-Sportvereine wurden verboten und ihr Vermögen, die Sportplätze und Sportgeräte wurden beschlagnahmt. Zur gleichen Zeit wurde der spätere Gründer des VfB, Friedrich Grabner, wegen gewerkschaftlicher Tätigkeit und eindeutigen Äußerungen bzgl. der Nationalsozialisten aus dem Polizeidienst entlassen und von der Mitgliederliste der „Sportvereinigung Polizei Lübeck“, in der er Abteilungsleiter war, gestrichen.

Der „Polizei SV“ wurde Nachfolger der „Sportgemeinschaft Polizei Lübeck“, die schon 1932 über 50 Prozent Zivilisten als Mitglieder hatte. 1938 hatte der Polizei SV seinen Höhepunkt als Ausrichter der Polizeimeisterschaften Deutschlands. Im selben Jahr wurde auch die Lohmühle ausgebaut. Die Arbeitersportvereine hatten 1924 unter der Federführung des damaligen „ATSV Lübeck“ – heute „TuS Lübeck“ – den Platz neben der Müllkippe angelegt. Nach dem Verbot dieser Vereine wurde der Sportplatz bei der Lohmühle dem „Polizei SV“ übergeben, der bis 1936 auf dem Kasernenbrink spielte, aber dann der Wehrmacht weichen musste. Die Kriegsjahre von 1938 bis 1945 rissen ein tiefes Loch in die Reihen der Akteure aller Vereine. Dennoch ließen es sich die zurückgekehrten Aktiven des „Ballspielvereins Vorwärts“ und des „Polizeisportvereins“ nicht nehmen, gleich nach Kriegsende einen neuen gemeinsamen Anfang zu suchen. Sie wollten wieder in einem Verein Sport treiben, obwohl oder weil es ihnen schlecht ging, sie ohne ausreichende Ernährung waren und selten ausreichend Wohnraum zur Verfügung hatten.

So nahmen die 1933 aus dem Polizeidienst entlassenen Naziverfolgten um Friedrich Grabner (Tidow, Facklam, Knaack, Koop und andere) Kontakt zu den ebenfalls 1933 ausgeschalteten „Alten“ des „BSV Vorwärts“ um Fritz Ehlers auf. Der englischen Besatzungsmacht war Friedrich Grabner als Sprecher der Verhandlungsriege für die „VfB-Geburt“ offensichtlich der passende Partner. Dem BSV Vorwärts wurde das „Recht auf Wiedergutmachung“ zugestanden und der „Verein für Bewegungsspiele Lübeck von 1919“ als Nachfolgeverein des BSV Vorwärts akzeptiert. Polizeivereine wie auch andere „Behördenvereine“ waren in vielen Bezirken der Besatzungszonen verboten. Die im Zuge der Gründungsverhandlungen beantragte Fusion mit der früheren „Sportgemeinschaft Polizei Lübeck“, die vor 1933 mehr als 50 Prozent zivile Mitglieder hatte, wurde genehmigt. Der VfB Lübeck war der erste Sportverein, der 1945 in Lübeck wieder gegründet wurde.

Bewegte man sich in den Nachkriegsjahren und vor Gründung der offiziellen Fußball-Bundesliga zwischen Erst- und Zweitklassigkeit, so waren die 60er und 70er Jahre geprägt vom Regionalliga-Fußball. Später bewegte sich der VfB zwischen Verbands- und Amateuroberliga, um in den 90ern erstmals in der 2. Bundesliga aufzutauchen. Im Jahr 2002 sollte man letztmalig dorthin aufsteigen – 16 Jahre nach dem Abstieg in die Regionalliga kehrt man nun endlich wieder hoffnungsvoll zurück in den Profi-Fußball, wo man sich in der bevorstehenden Spielzeit nun erstmals mit den Schanzern messen kann.

Bisherige Begegnungen
Kurzum: Es gab bisher noch kein Aufeinandertreffen zwischen den Vereinen. Allerdings dürfte dem einen oder anderen, FCI-Fan die Spielstätte der Nordlichter bekannt vorkommen. An der Lohmühle mussten Sascha Kirschstein, Tobias Fink, Stefan Leitl und Co. im Sommer 2011 ran, der Gegner war aber nicht der VfB, sondern der FC St. Pauli. Weil am Millerntor Umbauarbeiten vollzogen wurden, kickten die Donaustädter also in der „Stadt der sieben Türme“. Der Saisonstart ging für die Schanzer in die Hosen; die „Hausherren“ gewannen damals durch zwei Treffer von Fabian Boll mit 2:0.


Düstere Miene beim damaligen Trainer Benno Möhlmann: Der Saisonstart gegen St. Pauli in Lübeck ging schief (Foto: Boesl / KBUMM).

Bekannte (Fußball-)Gesichter 
Für den VfB Lübeck stürmt ein gewisser Patrick Hobsch. Hobsch? Der Name dürfte Fußballkenner sofort auf den Plan rufen. Denn sein Erzeuger Bernd spielte in über 300 Partien im Europacup sowie in beiden Bundesligen und in der DDR-Oberliga für den SV Werder Bremen, 1860 München, den „Club“ aus Nürnberg und Lok Leipzig und erzielte dabei über 110 Tore. Den „Goalgetter“ scheint er nun seinem Sohn Patrick vererbt zu haben. 14 Treffer in 34 Pflichtspielen hat er für die Lübecker seit 2018 erzielt und damit einen großen Anteil am Aufstieg in die 3. Liga. Der gebürtige Bremer wurde ohne Nachwuchsleistungszentren ausgebildet, kam erst über den unbequemen Weg TSV Ochenbruck, BSC Woffenbach, 1. SC Feucht in die U19 des 1. FC Nürnberg. Umso weniger verwunderlich: „Ich lebe gerade meinen Traum“, berichtete der 25-Jährige kurz nach dem größten Erfolg der vergangenen Jahre den Medien. Auch bekannt in den Schanzer Reihen ist Mirko Boland. Der 33-Jährige spielte lange Jahre in Braunschweig und duellierte sich oftmals mit dem FCI. Nach zwei Jahren in Australien kehrt der zentrale Mittelfeldspieler zurück nach Deutschland und dürfte bei seinem neuen Club eine tragende Rolle einnehmen.

Zuschauer
Knapp 3.000 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten das erfolgreiche Jahr des VfB, das mit dem Aufstieg in die 3. Liga endete. Im Übrigen leider vorzeitig aufgrund von Corona – nur 25 der eigentlich 34 Spieltage konnten die Hanseaten durch den Lock-Down absolvieren, fünf Punkte Vorsprung waren es dann auf den Tabellenzweiten VfL Wolfsburg II.

Stadt
Lübeck heißt, wie schon erwähnt, auch die „Stadt der sieben Türme“. Der Grund ist einfach: Die Innenstadtkirchen Lübecks bilden ein einzigartiges und sehenswertes Ensemble. Die Sieben Türme der fünf gotischen Hauptkirchen auf dem Altstadthügel der mittelalterlichen Hansestadt Lübeck verkörpern die zum Wahrzeichen der Stadt gewordene Stadtansicht. Konkret handelt es sich in der Nord-Süd-Reihenfolge (von links nach rechts) um die Türme von Jakobikirche im Norden der Altstadt, Marienkirche mit zwei Westtürmen im Zentrum rückseitig des Rathauses. Petrikirche in Sichtweite des Holstentores nahe der Westzufahrt zur Altstadt, Aegidienkirche und Dom mit zwei Westtürmen im südlichen Altstadtabschluss. Zu besichtigen gibt es zahlreiche, weitere Sakralbauten sowie die Stadtmauer und die dazugehörigen Stadttore mit historischer Prägung. Für Kino-Fans: In Lübeck liegt der Stammsitz der Cinestar-Kinos. Ein Besuch im hohen Norden ist also Pflicht in der Saison 20/21.