Knappes Aus im Elfmeterschießen: Schanzer verkaufen sich teuer im Toto-Pokal

Mehr als nur ein zweiter Anzug: Die Schanzer schlugen sich in ungewohnter Besetzung wacker bei den Löwen. (Foto: Bösl/KBUMM)

Knappes Aus im Elfmeterschießen: Schanzer verkaufen sich teuer im Toto-Pokal

Denkbar knappe Niederlage und doch auch viel Positives: Der FC Ingolstadt 04 scheidet nach einem 2:2 in der regulären Spielzeit durch ein 5:4 im Elfmeterschießen gegen den TSV 1860 München aus dem TOTO-Pokal aus. Der FCI ging kurz vor der Pause durch Beister in Führung, musste aber im zweiten Durchgang zwei Standard-Gegentore durch Salger (68.) und Mölders (58., HE) hinnehmen. Im Endspurt erzielten die Schanzer, die in fast gänzlich neuer Besetzung und mit vielen jungen Akteuren antraten, den verdienten Ausgleich und beinahe sogar noch das Siegtor. Keeper Hiller hielt die Löwen im Spiel und dann auch noch den entscheidenden Strafstoß gegen Marcel Gaus. 

Es war ein relativ verhaltener Beginn, gerade dem FCI merkte man an, dass sich diese neu formierte Truppe erst richtig finden musste. Die erste Chance hatte so über Umwege Mölders, bei dem ein abgefälschter Ball landete – Pflichtspiel-Debütant Jendrusch parierte im Eins-gegen-Eins aber hervorragend! Die Schanzer übernahmen in der Folge weitesgehend die Kontrolle, doch der letzte Pass und damit richtige Chancen blieben zunächst aus. Nach einem Neudecker-Schuss, war der FCI plötzlich in der Gefahrenzone und Keeper Hiller hatte Glück, als er ein Foul gepfiffen bekam, obwohl er unter Druck gegen Hawkins eher in den Boden getreten hatte und so zu Fall kam. Danach hatte Beister nach einem schönen Konter halblinks im Strafraum die nächste Schuss-Chance, Hiller war zur Stelle (37.). Der auffällige Sussek enteilte danach Ex-Schanzer Stefan Lex, der von hinten zur Grätsche ansetzte und mit Gelb davonkam.

Der FCI blieb defensiv stabil und arbeitete, trotz des ein oder anderen Abstimmungsproblems, konzentriert weiter und plötzlich schlug er doch noch zu: Butler legte einen ball für Hawkins ab, der perfekt in die Mitte flankte, wo Beister aus fünf Metern den Ball genau ins Eck köpfte – die 1:0-Führung, mit der es auch kurz danach in die Kabinen ging!

Ohne Wechsel ging es weiter und Sechzig wollte hier natürlich schnell die Antwort. Jendrusch musste einmal ran, Mölders traf kurz darauf aus dem Abseits und auf der anderen Seite spielten die Schanzer zwei aussichtsreiche Konter nicht aus. Doch es war ein Handelfmeter, der den Gastgebern den Ausgleich bescherte. Lex flankte am Sechzehner-Eck an die Hand von Sussek, Mölders nahm den korrekten Pfiff dankend an und schob zum 1:1 ein. Dieser Treffer zeigte kurzzeitig Wirkung, denn die Löwen waren nun aktiver und drängten auf den zweiten Treffer, der ihnen nach einem weiteren Standard sogar gelang. Salger vollstreckte nach einer Ecke die Vorlage seines Innenverteidger-Kollegen Lang.

Das Spiel war gedreht, doch wer dachte, dass die Schanzer nun auseinanderbrechen würden lag komplett daneben. Gaus & Co. zogen das Tempo wieder an, brachten frisches Blut und spielten auf den Ausgleich. Unter anderem kamen Kaya und Bilbija sowie die U 21-Akteure Neuberger und Llugiqi, die ihre Pflitchspieldebüts feierten. Und das Anrennen wurde tatsächlich belohnt, Kaya legte nach einem Konter für Gaus ab, der den Ball mit voller Wucht aus 13 Metern in die Maschen drosch – was für ein Hammer!

Es war ein offenes und spannendes Spiel, in dem die Schanzer am Ende der regulären Spielzeit dem Sieg sogar noch deutlich näher waren, doch unmittelbar vor dem Schlusspfiff parierte Hiller sensationell gegen Antonitsch. Somit ging es direkt ins Elfmeterschießen, wo ausgerechnet Kapitän Gaus der tragische Held sein sollte und als einziger seinen Strafstoß nicht verwandeln konnte. In Addition steht ein denkbar knapper 7:6-Erfolg für den TSV 1860 München gegen ein völlig neu zusammengewürfeltes Schanzer Team, das sich sehr teuer verkaufte. Die Löwen treffen nun in Teil Zwei der Quali-Runde auf Türkgücü, für den FCI ist Ende im diesjährigen Toto-Pokal und damit wieder der volle Fokus auf die Liga möglich.

Der „zweite Anzug“ der Schanzer, wenn es denn überhaupt einer war, er passte sehr ordentlich & überraschend gut. Zehn der 18 Spieler im Kader kamen aus dem Schanzer NLZ. Einige Akteure nutzten definitiv die Chance, sich zu zeigen und zu beweisen, dass da richtig viel Potenzial im gesamten Kader steckt!

Aufstellung FCI: Jendrusch – Franke, Keller, Antonitsch, Sussek – Gaus – Hawkins (80. Llugiqi), Beister (75. Bilbija), Caiuby, Niskanen (61. Neuberger) – Butler (61. Kaya)
 


Stimmen zum Spiel:

Michael Köllner: „Ich denke, dass es heute für uns alles andere als einfach war, immerhin hatten wir am vergangenen Montag ein sehr emotionales Spiel gegen Dynamo Dresden. Heute also gegen eine komplett ausgeruhte Ingolstädter Mannschaft zu spielen, war natürlich schwer. Trotz der zahlreichen Wechsel konnte man sehen, welch große Qualität die Gäste in ihren Reihen haben. Da mussten meine Jungs heute durchaus an ihre Grenzen gehen. In der ersten Halbzeit haben wir es sehr gut gemacht, sind oft in die Box gekommen, aber der finale Pass ist uns nicht gelungen. Kurz vor der Pause fiel dann das Gegentor, wobei das Team im zweiten Durchgang gut reagiert hat. Wir haben richtig angeschoben, machen dann das 1:1 vom Punkt aus und können wenig später auf 2:1 erhöhen. Den dummen Aufbaufehler unsererseits hat Ingolstadt zum Ausgleich genutzt. Hätte Marco Hiller in der letzten Minute nicht das 2:2 festgehalten, kannst du am Ende sogar noch verlieren. Beim Elfmeterschießen konnten wir uns aber wieder voll und ganz auf unseren Schlussmann verlassen, der nicht umsonst den Spitznamen ‚Hiller-Killer‘ hat.“

Tomas Oral: „Wir wussten, dass wir heute auswärts auf eine Mannschaft treffen werden, die unbedingt die nächste Runde erreichen will. Wir wollten den Münchner Löwen mit einer gesunden Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern die Stirn bieten. Wie ich finde, ist uns das in der ersten Halbzeit sehr gut gelungen. Den Treffer über Hawkins und Beister haben wir schön herausgespielt. Zuvor haben wir leider einige Chancen liegen gelassen. Nach dem Seitenwechsel haben wir zunächst wieder gut in die Partie gefunden. Vor dem Elfmeter für die Löwen hatte ich das Gefühl, dass es auch einen Strafstoß für uns hätte geben können – dann hätten wir das Ding sicherlich nach Hause gefahren. Dann bekommen wir jedoch zwei Gegentore und haben daraufhin mit frischem Personal von der Bank reagiert. Nach dem 2:1 sind wir wieder gut zurückgekommen und konnten durch Marcel Gaus ausgleichen. Was mich dann ein wenig ärgert ist, dass wir kurz vor Abpfiff diesen Ball nicht über die Linie bugsiert bekommen. Wenn du dann ins Elfmeterschießen gehst, kann alles passieren. Alles in allem bin ich aber mit der Mannschaftsleistung sehr zufrieden, immerhin haben wir dem Gegner in einer Formation, die bisher noch nie zusammengespielt hat, alles abverlangt.“

Maximilian Beister: „Grundsätzlich sind wir schon enttäuscht, da wir uns vorgenommen haben die nächste Runde zu erreichen. Wir hatten das Ziel im TOTO-Pokal weiterzukommen und so haben wir auch gespielt. Dabei waren viele Spieler von Beginn an auf dem Platz, die in letzter Zeit wenig Einsatzzeit verbuchen konnten. Schon allein deshalb war die Begegnung heute wichtig, da Spielpraxis gesammelt werden konnte. Nach dem 2:2 durch Marcel Gaus hatten wir noch kurz vor Ende der regulären Spielzeit die Möglichkeit als Sieger vom Platz zu gehen. Beim Elfmeterschießen entscheiden dann bekanntlich Kleinigkeiten. Nun bin ich gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden.“

Nico Antonitsch: „Wir waren von Beginn an gut im Spiel drin und sind verdient mit 1:0 in Führung gegangen. Nach den zwei Gegentoren haben wir auch gleich super reagiert, indem uns der Ausgleich gelungen ist. Hätte ich kurz vor Schluss den Ball reingehauen, dann geht es gar nicht erst ins ‚Elfern‘. Aber ich denke dennoch, dass es ein sehr guter Auftritt von uns war, insbesondere die junge Garde hat ihre Sache heute super gemacht. Man hat gesehen, welche Qualität in unserem Kader steckt. Auch für mich persönlich war es ein tolles Gefühl nach drei Monaten wieder über 90 Minuten gespielt zu haben. Trotz der Niederlage im Elfmeterschießen nehmen wir sehr viel Positives aus der Partie mit und fokussieren uns nun auf die verbleibenden neun Liga-Begegnungen.“

Robert Jendrusch: „Trotz der Niederlage im Elfmeterschießen haben wir heute ein sehr ordentliches Spiel gemacht und sind mit einem schönen Tor in Führung gegangen. In der zweiten Halbzeit fiel der Ausgleich etwas unglücklich durch einen Handelfmeter und anschließend waren wir etwas schläfrig beim Abwehrverhalten des Eckballs, sodass der Gegner das zweite Tor erzielen konnte. Wir sind dann aber nicht eingebrochen, sondern haben alles nach vorne geworfen und mit Leidenschaft verteidigt. Kurz sah es sogar noch so aus, als könnten wir die Partie in der regulären Zeit gewinnen. Beim anschließenden Elfmeterschießen kann man niemanden einen Vorwurf machen, spielt doch Glück auch immer eine gewisse Rolle. Leider haben wir nun am Dienstag nicht erneut die Möglichkeit uns zu beweisen, was mich persönlich sehr ärgert. Trotzdem haben wir uns heute in München gut verkauft.“