Kutsche, Kaucze, K-Block: Fünf Geschichten zum Spiel gegen Dynamo

Wiedersehen mit dem Heimatverein: Stefan Kutschke (Foto: Bösl / KBUMM).

Kutsche, Kaucze, K-Block: Fünf Geschichten zum Spiel gegen Dynamo

„Auch, wenn es eigentlich unmöglich ist, ist es noch möglich.“ Diese Fußballweisheit, einst ausgesprochen von Stefan Effenberg, hat – wie der vergangene Mittwoch bewies – nichts von seiner Aktualität verloren. Ein reguläres Tor aberkannt, mit dem nächsten Angriff den Gegentreffer kassiert und schließlich noch ein Platzverweis – kaum jemand auf dem altehrwürdigen Betzenberg konnte sich nach gut einer Stunde Spielzeit etwas anderes als einen Heimsieg der Lauterer vorstellen. Doch das Team um Stefan Kutschke & Co. stemmte sich mit aller Macht gegen die drohende Niederlage und schaffte in Unterzahl mit großem Willen und Einsatzbereitschaft noch den verdienten Ausgleich. Genau diese Attribute sind auch am Samstag im Heimduell gegen Zweitligaabsteiger Dynamo Dresden gefragt. Anpfiff im Audi Sportpark ist 14.00 Uhr. Mit unseren fünf kleinen Geschichten möchten wir Euch, liebe Fans, wieder auf diese Begegnung einstimmen. Sie handeln diesmal von Freud und Leid, einer ganz schönen Fahne, dem berühmten K-Block, Ehemaligentreffen und einem Duell auf Augenhöhe. Auf geht´s Schanzer Fans – Daumen drücken und mitfiebern!

Freud und Leid
Wenn es in der 3. Liga lohnt, über Traditionsvereine zu sprechen, gehört die SG Dynamo Dresden ganz sicher dazu. Die Schwarz-Gelben sind einer der erfolgreichsten und populärsten Clubs des DDR-Fußballs. Je achtmal waren die Sachsen DDR-Meister und Vizemeister, siebenmal gewannen sie den FDGB-Pokal und waren vor allem in den 1970er und 1980er Jahren auch international sehr erfolgreich. 1988/89 erreichten sie beispielsweise das Halbfinale im UEFA-Cup. Nach der Wiedervereinigung spielte die Mannschaft von 1991 bis 1995 in der Bundesliga. 1995 wurde der Verein wegen „Erschleichens der Lizenz“, man hatte Schulden in Höhe von 10 Millionen D-Mark angehäuft, in die Regionalliga zurückgestuft, kurzzeitig stieg er sogar in die vierte Liga ab. Von diesem sportlichen Tiefschlag, dessen primäre Ursachen sicherlich in der finanziellen Misswirtschaft nach der politischen Wende in der DDR zu suchen sind, konnte sich Dynamo Dresden bis heute nicht vollständig erholen. Im Jahr 2002 stieg Dynamo Dresden in die Regionalliga Nord auf und pendelt seitdem zwischen der zweiten und der dritten Liga.


Das „erste Mal“: Im Winter 2009 trafen Andi Buchner und Co. im ESV-Stadion auf Dynamo. Das Endergebnis lautete 0:0 (Foto: Bösl / KBUMM).

Eine ganz schöne Fahne
Spricht man von Dynamo Dresden, denkt der Fußballfan automatisch auch an deren Fans. Gerne geht man ins heimische Stadion, wenn die Anhänger der Schwarz-Gelben zu Gast sind – denn Stimmung ist dann definitiv garantiert. Dynamo verfügt über eine äußerst aktive Fanszene, bekannt ist dabei insbesondere der „K-Block“. Außerdem entstand durch Ultra-Initiative eine Blockfahne, die mit ihren Abmessungen von 70 x 35 Metern zeitweise die größte ihrer Art in Deutschland bzw. drittgrößte Europas war. Am 31. Oktober 2015 im Drittligaspiel gegen Magdeburg wurde diese Blockfahne nochmals übertroffen. Diesmal hatte sie die Maße 350 × 35 Meter und bedeckte außer dem Gästeblock sämtliche Zuschauerplätze des Stadions. Mit rund 13.000 m² ist sie damit die größte Blockfahne in Europa und die zweitgrößte weltweit.

Der berühmte K-Block – und wie es dazu kam
Damals, am 5. März 1983, begann im Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg die legendäre und einzigartige Geschichte des K-Blocks, bis heute die Heimat der treuesten der Dynamo-Fans. Während jenes Oberliga-Punktspiels zog seinerzeit der als „Fanblock“ bekannte Bereich vom Block G in den K-Block neben das Marathontor auf der anderen Seite. Unter dem alten Flutlichtmast hinter dem Block gab es zu DDR-Zeiten einen Flohmarkt, auf dem Fotos aus dem „Kicker“ oder andere Fußball-Souvenirs getauscht wurden. Auslöser für den Umzug war ein Sturm der Magdeburger Fans aus dem damaligen Gästeblock (L, M), dem sich die Flohmarkt-Fans aus dem K-Block entgegenstellten und ihrerseits für Stimmung sorgten. In der Folge wurde der schon gut gefüllte G-Block immer leerer – und alle Fans strömten zur Unterstützung in den K-Block. Dabei blieb es bis heute – ob in der Viertliga-Tristesse zur Jahrtausendwende oder nach dem Umzug ins neue Stadion.

Ehemaligentreffen
Treffen mit Ehemaligen haben im Leben allgemein und im Fußball besonders ihren speziellen Reiz. Dies gilt in der laufenden englischen Woche auch für den FC Ingolstadt 04. Nach dem Wiedersehen am vergangenen Mittwoch mit Ex-Coach Jeff Saibene auf den Lauterer Betzenberg, kehren am kommenden Samstag erneut zwei Ex-Schanzer an ihre alte Wirkungsstätte zurück. Mittelfeldakteur Agyemang Diawusie, bis Sommer diesen Jahres an der Donau unter Vertrag, hat in der laufenden Spielzeit alle Partien für die Sachsen bestritten und brennt sicherlich am Samstag auf den Einsatz bei seinem ehemaligen Arbeitgeber. Ex-Trainer Markus Kauczinski, der von Juli bis November 2016 – die Schanzer spielten damals noch in der Bundesliga – nur ein kurzes Gastspiel im Audi Sportpark gab, übernahm nach der Zwischenstation beim FC St. Pauli das Zepter beim kommenden Gegner. Bleibt zu hoffen, dass die Wiedersehensfreude groß und die Gastgeschenke seitens „Kaucze“ großzügig ausfallen. Übrigens, noch ein Übungsleiter war sowohl bei den Sachsen, als auch an der Donau tätig: Maik Walpurgis.‘


Coachte auch schon den FC St. Pauli, und natürlich auch dei Schanzer: Markus Kauczinski (Foto: Bösl / KBUMM).

Duell auf Augenhöhe
Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass am Samstag zwei Gegner auf absoluter Augenhöhe aufeinandertreffen. Drei Siege, ein Unentschieden, zwei Niederlagen, sechs Gegentore und drei Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze – die bisherige Saisonbilanz der beiden Kontrahenten ist beinahe identisch. Einziger Unterschied: die Heimelf hat bislang zwei Tore mehr erzielt als der Gegner. Für beide Teams sicherlich ein extrem wichtiges und richtungsweisendes Spiel für den weiteren Verlauf der Spielzeit.