London – Barcelona – Ingolstadt: Schanzer auf Umwegen

Hier sitzen wir! Vater und Sohn freuen sich über Ihre Besuch im Audi Sportpark.

London – Barcelona – Ingolstadt: Schanzer auf Umwegen

Geboren wurde Brian Sherry in einem kleinen Dorf in Irland. Da sein Vater Flugpilot war, konnte er als kleiner Junge schon früh den Blick über den Tellerrand richten. Brian, das jüngste von neun Kindern, wurde in den 70er Jahren leidenschaftlicher Fan des FC Liverpool, erlebte in den frühen Neunzigern die Kult-Spielstätten Londons und besuchte später auch in Spanien die Spiele des FC Barcelona. Seit 2010 steht er im Familienblock im Audi Sportpark und feuert die Schanzer an. Für fci.de beschreibt der Verwaltungsangestellte, was Camp Nou, Craven Cottage und Co. auszeichnete – und warum er trotzdem überglücklich ist, heute mit den Schanzern um den Klassenerhalt mitzittern zu dürfen.

fci.de: Hallo Brian, wir haben Sie im Familienblock F zusammen mit ihrem Kumpel Alfred und seinem Sohn Sebastian entdeckt. Seit wann besuchen Sie die Spiele des FCI – und warum?

Brian Sherry: "Ich hatte meine Fußballbegeisterung zwischenzeitig ein wenig verloren, durch meinen Sohn Killian jedoch wiedererlangt. Seit 2010 sind wir praktisch bei jedem Heimspiel im Audi Sportpark, dieses Jahr im Block F. Es ist großartig, die Emotionen mitzuerleben. Aber bei uns geht es ein wenig ruhiger zu als in der Südtribüne. Die Prioritäten ändern sich eben, wenn man älter wird. Ich schätze die Sicherheit und den Komfort im Familienblock. Und ich schätze auch den Kontakt zu den Gästefans, der hier möglich ist."

fci.de: Ihr Interesse für auswärtige Fans ist möglicherweise in die Wiege gelegt worden. Schließlich sind Sie Ire…

Sherry: "Richtig! Mit meiner Familie lebe ich seit 21 Jahren in unserer schönen Ingolstädter Altstadt. Davor war ich in Barcelona, wo ich meine Frau kennenlernte, absolvierte mein Studium Anfang der 90er in London – und meine Zeit in meiner irischen Heimat liegt schon knapp 30 Jahre zurück."

fci.de: Als Fußballfan dürften Sie einige, spannende Stadionbesuche erlebt haben. Geben Sie uns eine Kostprobe…

Sherry: "Für mich unvergessen bleibt das erste Spiel "meines" FC Liverpool im Sommer 1977 in Dublin. Ich war ein riesen Fan der "Reds", sparte jahrelang auf ein Trikot meines Lieblingsteams. Toll war für mich die Zeit in London, ich empfehle Fußballfans unbedingt einen Besuch in "Craven Cottage", wo der FC Fulham beheimatet ist. Meine Frau arbeitete bei Seat in Barcelona, natürlich sahen wir auch dort das eine oder andere Spiel. Unvergessen blieb für mich ein Stadionbesuch in Argentinien: Boca Juniors gegen River Plate Buenos Aires. Viel mehr Leidenschaft kann mich nicht mehr erleben, das Stadion bebte. Gleichzeitig hatte ich ein mulmiges Gefühl und war nicht traurig, nach Abpfiff wieder aus dem Stadion zu  kommen."

fci.de: Was führte Sie nach Ingolstadt?

Sherry: "Beruflich zog es uns Mitte der 90er hierher. Mir hat es auf Anhieb gut gefallen!"

fci.de:
Das müssen Sie uns erklären – nach Fußball auf Spitzenniveau müssten Sie doch hier erst einmal Brachland vorgefunden haben, was ihre Leidenschaft angeht.

Sherry: "Das stimmt, entsprechend besuchten wir das Münchner Olympiastadion, was mir nicht besonders gut gefallen hat. Die Architektur war für mich beeindruckend, aber das Stadion war weitläufig, die Stimmung ging verloren. Aber bei meinem Erstbesuch in Ingolstadt war Bürgerfest, beim zweiten Mal gerade Herbstfest – es rührte sich also was, und die Liebe zum Fußball war in der Zeit ein wenig verblasst. Ich hatte familiär bedingt schlichtweg andere Prioritäten."

fci.de: Das änderte sich spätestens 2010 – mit deinem Sohn Killian besuchen Sie die Spiele nun wieder regelmäßig…

Sherry: "Und ich schleppe natürlich auch unsere Verwandtschaft mit, sobald sie zu Besuch ist (lacht). Die Anfahrt zum Audi Sportpark ist komfortabel, die Preise sind fair. Und wir sehen neben unseren Schanzern Mannschaften wie Borussia Mönchengladbach und Dortmund in Ingolstadt. Das ist der absolute Hammer, die Menschen in und um Ingolstadt dürfen stolz sein auf ihren Verein!"

fci.de: Wie bewerten Sie die Entwicklung der letzten Jahre?

Sherry: "Es steckt sehr harte Arbeit und ein kluger Geschäftsplan dahinter. Beides verdient großen Respekt. Wenn ich mir viele Mannschaften in England ansehe, die ich verfolgte, stelle ich fest: Dort herrschten oft völlig unrealistische Erwartungen, Vereine wie Leeds United sind daran zerbrochen. Bei den Schanzern wird nachhaltig gearbeitet."

fci.de: Glauben Sie an den Bundesliga-Verbleib der Schanzer?

Sherry: "Ich glaube fest daran, aber wir sollten realistisch bleiben. Und es war uns doch klar, dass es wieder eine schwere Saison wird. Wichtig ist mir, dass wir Fans nicht vergessen: Wir haben unglaubliches erlebt mit dem FCI, die Relegationsspiele damals gegen Rostock, um mal ein paar Jahre zurückzublicken. Kurz vor Weihnachten 2014 sagte mein Sohn Killian nach einem 2:1-Sieg gegen St. Pauli zu mir: ‚Ich glaube, wir können es schaffen und aufsteigen.‘ Ehrlich, dass wir nun im zweiten Jahr besagte Spitzenvereine Deutschlands bei uns willkommen heißen dürfen, finde ich alles andere als ’normal‘."

fci.de: Vielen Dank, Brian!

Wer den FCI im heimischen Audi Sportpark noch 2016 besuchen will, hat am Mittwoch, den 21. Dezember (Anstoß 20:00 Uhr) die letzte Gelegenheit. Dann ist der SC Freiburg zu Gast bei den Schanzern!