Mental-Coaching im Schanzer NLZ: „Stärken noch stärker machen“

U 23-Spieler Marcel Posselt im Gespräch mit Mental-Coach Heiko Hansen.

Mental-Coaching im Schanzer NLZ: „Stärken noch stärker machen“

Mentale Förderung als Schlüssel zum Erfolg: Unser NLZ setzt seit dieser Saison auf die Mitarbeit des Sportmentaltrainers Heiko Hansen, der die Trainer-Teams der Jungschanzer regelmäßig unterstützt. Dabei sieht er mentales Training als einen wichtigen Baustein in der Entwicklung junger Spieler, will sich jedoch nicht auf subjektive Eindrücke verlassen, sondern betont die objektive, wissenschaftliche Herangehensweise, die die Basis seiner Arbeit darstellt.
 "Ich bevorzuge eher die Bezeichnung Pädagoge als Psychologe. Was ich anbiete ist kein ‚psychologisieren‘, stattdessen stehen mentale Trainings- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten im Fokus", beschreibt er seine Tätigkeit.

Einmal monatlich ist der Mental-Coach, der unter anderem schon mit Box-Weltmeistern gearbeitet hat, für etwa drei Tage vor Ort bei den Jungschanzern und befasst sich mit drei Hauptthemen: "Einerseits führen wir den speziellen „ViQ Sport“-Test durch, um festzustellen, mit welchen Spieler- und Trainertypen wir arbeiten und wie sie gestrickt sind. Das Besondere ist, dass es sich dabei nicht um einen Fragebogen, sondern um Wahrnehmungsaufgaben handelt.“ Aus den Wahrnehmungsergebnissen könne man ermessen, wie das Gehirn des Spielers Fußball spielt, wie es lernt und auch ob das Gehirn taktische Talente hat oder eher aus dem Instinkt heraus agiert. Hansen verwendet also keinen klassischen Fragebogen und hat stattdessen durch den Wahrnehmungstest die Möglichkeit, differenzierte und wissenschaftliche Ergebnisse in das weitere Vorgehen einfließen zu lassen. Ausgangspunkte für diese Art des Trainings bleiben dabei immer die mentalen Talente eines Spielers oder eines Trainers.

Seine zweite Hauptaufgabe beschreibt er wie folgt: „Andererseits finden auf den Tests aufbauende individuelle Einzelsitzungen statt. Dabei wird unter anderem ein besonderer Wert auf die etwa fünf Führungsspieler pro Teams gelegt. Diese werden zusätzlich auf mentaler Ebene gefördert, da sie wichtige Bezugspunkte für Trainer und Mitspieler darstellen."

Der dritte Kernbereich in Hansens Tätigkeit besteht in der Weitergabe von Informationen in Form von Seminaren für die Trainer. Dort wird behandelt, wie sich Partien mental zusammensetzen, welche Faktoren dabei wichtig sind, aber auch welche Rolle Emotionen in Verbindung mit dem Verstand spielen.

Auch U 23-Spieler Marcel Posselt zeigt sich nach den ersten Erfahrungen sehr überzeugt von dem mentalen Trainingsangebot und meint: „Die Gespräche und der Test waren sehr interessant und eröffnen andere Sichtweisen. Auch die Tipps sind sehr hilfreich und ich denke, dass mich diese Art des Trainings als Spieler absolut weiterbringen wird.“

Doch nicht nur für Leistungssportler, sondern auch für Freizeitkicker hat der Mental-Coach einige wertvolle Tipps und Tricks: Zunächst sei es wichtig, Schwächen zu akzeptieren und sich nicht auf diese, sondern auf seine Stärken zu konzentrieren und diese Stärken noch weiter auszubauen und zu ergänzen. Schwächen seien dennoch ein bedeutender Baustein, denn sie sind, laut Hansen, der Grund, warum wir mit anderen Menschen kommunizieren. Könnte ein Fußballer alles, würde er seine Mitspieler nicht mehr benötigen. Durch Schwächen und deren Ausgleichen könne Teamwork erst wirklich entstehen.

Nicht zu verachten sei außerdem das Thema Motivation, so gäbe es kein ‚faul sein‘, sondern nur fehlenden unterbewussten Ansporn, den man jedoch selbst generieren kann: "Unser Motivationssystem ist so eingestellt, dass es sich selbst belohnen will. Das heißt, dass man vorhandene Stärken viel leichter verbessern und erweitern kann. Sich an seinen Fähigkeiten hochzuziehen, sich durch diese zu motivieren und zu wollen, was man tut, weil man gut darin ist, ist enorm wichtig für jeden Sportler. Wenn in einem Gespräch über Fußball die Augen strahlen – das ist Motivation."

Als besonderen Tipp für junge Sportler empfiehlt der Experte Kickern bis 14 Jahren, falls möglich, zwei Sportarten auszuüben, um zu erfahren, wozu man sich motivieren kann und wozu nicht. Dabei sei es auch völlig legitim, wenn man sich für Dinge nicht begeistern kann, da dies vor allem durch das nicht beeinflussbare Unterbewusstsein gesteuert wird.

Abschließend sei noch ein Bereich genannt, in dem der Sportmentaltrainer enormes Potenzial sieht: Verschiedenste Atemtechniken werden trotz hervorragender Wirkung oft unterschätzt. Vier Sekunden tief in den Bauch einatmen und vier Sekunden wieder ausatmen versetzt den Körper in einen sehr positiven Zustand und kann problemlos während Verletzungspausen, in der Halbzeit oder vor dem Spiel angewandt werden. Vor einem Elfmeter hilft es hingegen die Mutatmung einzusetzen, diese besteht aus einem kurzen und ‚knackigen Ausatmer‘. Bei Schüssen ausatmen und nicht die Luft anzuhalten ist ebenfalls ein wertvoller Tipp, um seine Abschlüsse noch dynamischer zu gestalten.