Rinderknecht: „Ich wollte unbedingt zu den Schanzern!“

„Benzin im Blut“: Der gebürtige Hesse Nico Rinderknecht auf der Kartbahn.

Rinderknecht: „Ich wollte unbedingt zu den Schanzern!“

Nico Rinderknecht wechselte im vergangenen Sommer aus der Jugend von Eintracht Frankfurt zum FC Ingolstadt 04 und erhielt bei den Schanzern seinen ersten Profivertrag. Der talentierte Mittelfeldspieler spricht auf fci.de über Startschwierigkeiten in Oberbayern, seine Hobbys abseits des Platzes und seinen Weg zum Profifußballer. Viel Spaß beim Lesen!
fci.de: Hi Nico! Wir treffen dich hier auf der KARTARENA Ingolstadt. Bist du ein Motorsport-Fan?

Rinderknecht:
Ich bin sogar ein großer Motorsport-Fan. Vor zwei, drei Jahren habe ich angefangen mich mit der Formel 1 intensiver zu beschäftigen und die Rennen zu verfolgen. Wenn es die Zeit zulässt, schaue ich das ganze Rennwochenende hindurch. Vom Qualifying bis zum Rennen – ich finde das faszinierend. 
fci.de: Warst du schon einmal Live bei einem Rennen dabei? Hast du einen Lieblingsfahrer?

Rinderknecht: Leider noch nicht. Das ist ein großer Traum von mir, einmal bei einem Rennen Live dabei zu sein. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Sebastian Vettel finde ich am besten. Mit ihm fiebere ich immer mit.

fci.de: Hast du auch privat Benzin im Blut?

Rinderknecht: Im Rahmen des Erlaubten gebe ich schon Gas. Da bin ich schon zügig unterwegs. Aber ich bin auch echt gerne auf der Kartbahn. Die Geschwindigkeit ist schon mein Ding.
fci.de: Wann hast du angefangen, dich für Fußball zu interessieren?
Rinderknecht: Daran  kann ich mich gar nicht so genau erinnern.  Ich bin da durch meine Eltern dazu gekommen, als ich so fünf oder sechs Jahre alt war. Mein Vater und mein Opa sind große Fußball-Fans, da kommt man mit dem Sport zwangsläufig schnell in Berührung. Ich weiß aber, dass ich sofort Feuer und Flamme war und dauernd kicken wollte.
fci.de: Wer hat dich zum Kicken gebracht? Spielt das runde Leder auch in deiner Familie eine Rolle?

Rinderknecht: Ja, eine sehr große Rolle! Bei uns in der Familie ist Fußball weit verbreitet. Mein Vater spielt trotz seines Alters heute noch (lacht). Mein Bruder ist Hobby-Kicker. Eigentlich hat er auch ganz ordentliches Talent und ist ganz gut, nur seine Prioritäten und Interessen liegen woanders. Mein Opa hat früher auch gespielt und war sogar relativ bekannt in unserer Gegend in Gießen. Er muss echt gut gewesen sein. Heute interessiert er sich natürlich dafür, wie es mir geht und wie ich mich entwickle. Mein Vater war früher bei jedem meiner Spiele und hat mit mir danach die Partie analysiert. Meistens hat er mir gesagt, was ich nicht so gut gemacht habe, denn was gut lief, konnte ich selbst einschätzen. Das hat mir immer geholfen.


Der 19-Jährige ist mit Spaß und Ehrgeiz bei der Sache.

fci.de: Wolltest du dann sofort Fußballprofi werden? Oder was wäre aus dir geworden, wenn das mit der Profi-Karriere nicht geklappt hätte?

Rinderknecht: Ja, auf jeden Fall. In frühester Kindheit noch nicht – das war zu weit weg und ich hätte nicht gedacht, dass ich die Chance bekomme, es zu schaffen. Mit dem Wechsel zu Eintracht Frankfurt in der C-Jugend wurde der Weg schon greifbarer und es war mein Ziel, Profi zu werden. Ansonsten wäre ich wahrscheinlich in Richtung Physiotherapie gegangen. Das finde ich schon interessant und so hätte ich versucht, trotzdem im Profifußball – wenn dann auch auf anderem Wege – Fuß zu fassen.
fci.de: Wie kann man sich das vorstellen, wenn man beim Heimatverein spielt und plötzlich ein großer Profi-Klub wie Eintracht Frankfurt anklopft?
Rinderknecht: Ich habe eigentlich überwiegend beim VfB Gießen gespielt und bin dann irgendwann für ein halbes Jahr zur TSG Wieseck  gewechselt. Mein Glück war, dass dieser Verein eine Kooperationsvereinbarung mit Eintracht Frankfurt hatte. Dort wurde ich gesehen und zum Training nach Frankfurt eingeladen. Ich hätte damals auch zu Mainz 05 wechseln können. Allerdings war es aufgrund der kürzeren Entfernung und der höheren Klasse in der die Eintracht-Jugend damals gespielt hat, die bessere Entscheidung für mich, nach Frankfurt zu gehen. Über die Jahre habe ich dann eine besondere Bindung zu dem Verein aufgebaut – ich denke, das ist ganz normal.
fci.de: Warst du vor dem ersten Training dort nervös?

Rinderknecht: Puh, das ist schon lange her (überlegt). In der Anfangszeit war ich sicherlich ein wenig nervös und beeindruckt von dem Umfeld. Es ist natürlich alles größer und auch professioneller organisiert. Aber am Ende des Tages sind es Jungs in deinem Alter, die gut kicken können. Da habe ich mich schnell zurechtgefunden.
fci.de: Nachdem du die Jugendabteilungen bei der der Frankfurter Eintracht durchlaufen hast, konntest du auch immer wieder bei den Profis mittrainieren, bist mit ins Trainingslager nach Abu Dhabi gereist und hast dein Bundesliga-Debüt vor über 80.000 Fans in Dortmund gefeiert. Was geht einem in so einer Phase durch den Kopf?

Rinderknecht: Das war auf jeden Fall ein sehr geiles Gefühl. Um ehrlich zu sein hätte ich auch nicht gedacht, dass es so schnell geht. Ich durfte zwar immer mal wieder als A-Jugendlicher bei den Profis mittrainieren, aber das war nicht regelmäßig der Fall. Damals hatte das Team von Armin Veh aber sehr viele verletzte Spieler zu beklagen und ich konnte in der Woche vor dem Spiel bei Borussia Dortmund oben mittrainieren. Der Trainer hat mir dann mitgeteilt, dass er mich in den Kader nimmt und ich mitfahren darf. Auch zu dem Zeitpunkt hätte ich nicht gedacht, dass ich tatsächlich zum Einsatz komme – egal bei welchem Spielstand. Dass es dann mit einem Einsatz geklappt hat, war schon der Wahnsinn. Ich konnte auch zwei Mal mit ins Trainingslager reisen und habe natürlich als U 19-Spieler viel von älteren Spielern wie Marco Russ oder Alex Meier gelernt. Gerade vom erfahrenen Marco Russ habe ich mir viel abgeschaut.
fci.de: Was hat den Ausschlag gegeben, zum FC Ingolstadt 04 zu wechseln?

Rinderknecht: Vor allem die Gespräche mit den sportlich Verantwortlichen Harald Gärtner und Thomas Linke haben mich von Beginn an überzeugt. Mein Berater hat mir in der Sommerpause vom Interesse aus Ingolstadt berichtet und wir sind dann zum FCI gefahren, um uns alles anzuschauen. Schon auf dem Nachhauseweg habe ich gesagt, dass ich nur zu den Schanzern wechseln möchte. Ich war komplett von dem Schritt überzeugt.


In der U 23 ist Rinderknecht wichtiger Baustein (Foto: Bösl / KBUMM).

fci.de:
Wie hat deine Familie reagiert, als du dich zum Umzug entschlossen hast?

Rinderknecht: Meine Familie stand immer hinter mir und hat mich unterstützt. Mein Vater hat mich darin bestärkt und gesagt, ich soll das machen, was ich für richtig halte. Er fährt auch so oft wie möglich nach Ingolstadt, um mich spielen zu sehen. Obwohl der Weg sehr weit ist. Dafür setzt er sich früh morgens ins Auto, um dabei sein zu können und um mich zu unterstützen. Abends fährt er dann wieder zurück nach Hessen. Das ist schon schön und ich bin ihm sehr dankbar dafür.
fci.de: Wie hast du dich als Hesse in Oberbayern eingelebt?

Rinderknecht: Mittlerweile sehr gut. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten, die wahrscheinlich normal sind, wenn man jung ist das erste Mal alleine wohnt, passt alles wunderbar. Ich hab eine schöne Wohnung gefunden und fühle mich in Ingolstadt sehr wohl. Ich bin froh, hier zu sein. Für viele Freizeitaktivitäten bleibt neben dem Training und der Regeneration kaum Zeit. Aber neben dem Playstation zocken bin ich hin und wieder mit den Jungs aus dem Team zum Essen in der Stadt.
fci.de: Welche Ziele hast du für das neue Kalenderjahr? Was hast du dir vorgenommen?

Rinderknecht: Ich möchte auf jeden Fall mit der Bundesligareserve die Klasse halten und hier meinen Teil mit guten Leistungen dazu beitragen. Persönlich möchte ich so viele Trainingseinheiten wie möglich bei den Profis absolvieren. Ich denke, dass ich das Ziel auch erreichen kann,  wenn ich so weiter mache wie in den letzten Wochen in den Einheiten und den Spielen bei der U 23. Dafür gebe ich alles auf dem Platz.
fci.de: Der Kampf um den Klassenerhalt ist im vollen Gange. Wie beurteilst du die Situation der Schanzer?

Rinderknecht: Es ist keine einfache Situation aber ich bin sicher, dass das Team das schafft. Ich habe eigentlich noch nie solch einen Zusammenhalt innerhalb einer Mannschaft erlebt. Das ist schon beeindruckend und eine riesengroße Stärke. So wie die Jungs auch zusammen arbeiten, denke ich schon, dass sie es packen. Wenn wir so weitermachen, dann erreichen wir das große Ziel und halten die Klasse.

fci.de: Vielen Dank für das Gespräch, Nico.