Walpurgis: „Wir ordnen unserem großen Ziel alles unter!“

Ist auf der Schanz angekommen: Cheftrainer Maik Walpurgis (Foto: KBUMM/Bösl)

Walpurgis: „Wir ordnen unserem großen Ziel alles unter!“

Maik Walpurgis ist seit 175 Tagen Cheftrainer des FC Ingolstadt 04. Zeit, beim 43-Jährigen „hinter die Schanz“ zu schauen. Bei fci.de sprach der Fußballlehrer unter anderem über seine bisherige Laufbahn als Trainer, seine Welt außerhalb des grünen Rasens und sein besonderes Hobby. 
fci.de: Servus Maik! Seit deinem 18. Lebensjahr bist du als Trainer im Geschäft, also mittlerweile seit einem Vierteljahrhundert. Weshalb damals die Entscheidung, Trainer zu werden?

Maik Walpurgis: Meine Karriere als Spieler wurde durch eine Verletzung beendet, so bin ich schon mit 18 Jahren Trainer geworden. Ich wollte immer auf höchstmöglichem Niveau arbeiten, weil ich früh festgestellt habe, dass dieser Beruf nicht nur ein Job ist, sondern das, was mich absolut erfüllt. Rückblickend war dieser vielleicht etwas steinigere Weg genau der Richtige für mich.

fci.de: Du hast die Überzeugung in der Bundesliga zu arbeiten in Interviews betont. Woher hast du die Sicherheit genommen?

Walpurgis: Ich habe immer sehr hart für dieses Ziel gearbeitet und meine verschiedenen Stationen genutzt, um mich weiterzuentwickeln. Auch durch eine akribische Analyse meiner eigenen Arbeit. Seit ich denken kann sehe ich mir Woche für Woche zahlreiche Spiele und versuche die wichtigsten Erkenntnisse zu nutzen. Ich wollte optimal vorbereitet sein für eine große Aufgabe wie diese hier in Ingolstadt.


Kapitän Marvin Matip ist auf dem Platz der verlängerte Arm von Cheftrainer Maik Walpurgis. (Foto: KBUMM/Bösl)

fci.de: Du giltst als akribischer Arbeiter und Trainer mit klaren Vorstellungen. Wie würdest du den Trainer Maik Walpurgis einordnen?

Walpurgis: Ich weiß, dass man heutzutage als Trainer sowohl fußballerisch als auch menschlich eine hohe Flexibilität an den Tag legen muss. Und das versuche ich. Ich bin kein autoritärer Typ, habe aber klare Vorstellungen. Auf der anderen Seite rede ich mit meinen Spielern und beziehe sie ein. Das ist mir wichtig. Aber klar ist auch, dass man für den Erfolg hart arbeiten muss. Vor allem, wenn man in so einer Situation steckt, wie ich sie in Ingolstadt vorgefunden habe.

fci.de: „Neben dem Fußball beschäftige ich mich am liebsten mit Fußball“, hast du einmal gesagt. Verfolgt einen die Arbeit bis in die Träume?

Walpurgis: Für mich ist Fußball der schönste Sport auf der Welt und ja, manchmal schaltet mein Kopf sogar im Schlaf in den Fußball-Modus. Vor meinem Debüt bei den Schanzern in Darmstadt bin ich zum Beispiel nachts wach geworden, weil mir im Traum ein Detail einfiel, das ich vorher so nicht bedacht hatte. Verrückt, wie das Unterbewusstsein funktioniert. Aber die meisten Ideen erarbeiten wir uns in Ingolstadt schon tagsüber in der täglichen Arbeit mit dem Trainerteam.

fci.de: Wann kannst du denn überhaupt abschalten?

Walpurgis: Natürlich ist es wichtig, auch mal runterzufahren. Gelegentlich gehe ich ins Kino oder lese ein Buch. Hin und wieder setze ich mich auch einmal ans Klavier. Ansonsten verbringe ich so viel Freizeit wie möglich mit meiner Familie. In diesem Kreis hat Fußball nicht die oberste Priorität und stellt einen wichtigen Gegenpol zu dem kräftezehrenden Job als Fußballtrainer dar.


Das Spiel im Fokus, die Fans im Rücken: Maik Walpurgis im Audi Sportpark. (Foto: KBUMM/Bösl)

fci.de: Nach ein paar Monaten in Ingolstadt – welchen Eindruck hast du von deiner neuen Heimat?

Walpurgis: Ich fühle mich seit dem ersten Tag sehr wohl in der Stadt. Egal ob auf dem Trainingsgelände, der Geschäftsstelle oder privat in der Stadt – die Menschen haben mich sehr herzlich aufgenommen und sind immer sehr freundlich und hilfsbereit. Die Stadt selbst gefällt mir auch sehr gut. An der Donau kann man wunderbar spazieren gehen und die Altstadt ist einmalig schön. Ich habe schon ein paar gute Restaurants und Cafés für mich entdeckt, in denen ich gerne Essen gehe oder einen guten Espresso trinke.

fci.de: Du sagtest, dass du gerne liest. Welche Bücher präferierst du?

Walpurgis: Vor allem Bücher über erfolgreiche Menschen die mit Ihrer Art der Führung und  entsprechender Motivation ihre Ziele erreicht haben. Diese Themen begleiten einen Trainer ja fortwährend. Deshalb waren die Biografien von Ottmar Hitzfeld oder Carlo Ancelotti sehr aufschlussreich. Mich hat interessiert, wie sie Probleme gelöst haben und welche Herausforderungen es auch in ihrem Leben gab. Auch der Lebensweg von Menschen anderer Sportarten und Berufszweigen war lesenswert. Muhammad Ali oder Arnold Schwarzenegger beispielsweise, der erst Bodybuilder war, erfolgreicher Schauspieler wurde und dann sogar eine Karriere in der Politik eingeschlagen hat. Mir geht es um die Frage, wie viel sie investiert haben, um ihre Ziele und Träume zu erreichen. Das begeistert mich.

fci.de: Bei anderen Clubs wissen die meisten, dass sie im Falle des Abstiegs woanders erstklassig bleiben können. Ein Club wie der FCI ist für viele Profis dagegen die einzige Chance, in der ­Bundesliga zu spielen. Passt das zu deiner persönlichen Geschichte?

Walpurgis: Auf jeden Fall. Wir alle haben eine große Identifikation für das Ziel, aber auch mit dem Verein. Das ist eine ganz große Stärke, dass ganz viele der Spieler den FC Ingolstadt 04 dorthin gebracht haben, wo er jetzt ist, in der Bundesliga. Die Mannschaft ist unglaublich positiv, professionell, mit hoher Eigenmotivation. Deswegen bin ich absolut davon überzeugt, dass wir das ganz große Ziel am Ende erreichen.

fci.de: Beinahe hättest du beruflich stattdessen etwas ganz Solides gemacht. Du hast studiert und hast dich in deiner Diplomarbeit mit Fußballtrainern als Führungskräfte beschäftigt. Hilft BWL am Ball?

Walpurgis: Betriebswirtschaftliches Denken ist im Fußball sicherlich nicht von Nachteil. Aber in der täglichen Arbeit ist es schon etwas ganz anderes. Mein Vater sagte immer: Du musst auch was Vernünftiges machen, neben deiner Leidenschaft für den Beruf des Fußballtrainers. Ich hatte das Angebot aus der 3. Liga, mit Anfang 30 war das eine ganz große Chance. Aus rationalen Gründen habe ich mich für den Studienabschluss entschieden, obwohl mein Herz beim Fußball war.

fci.de: Blieb das Herz auch dort, als du dich nach dem Studium in der Telekommunikation selbstständig gemacht hast?

Walpurgis: In dieser Zeit habe ich mich ganz wenig mit Fußball beschäftigt. Aber wenn ich morgens wach wurde, merkte ich, dass ich die ganze Nacht von Fußball geträumt hatte. Für mich war es der unterbewusste Wunsch, wieder im Fußball tätig zu sein. Schlussendlich habe ich auf mein Bauchgefühl gehört und bin meiner Berufung gefolgt. Das habe ich auch an keinem Tag bereut.

fci.de: Deine Zeit bei den Schanzern war ergebnistechnisch ein auf und ab der Gefühle. Wie blickst du auf die vergangenen Monate seit deinem Amtsantritt zurück?

Walpurgis: Wir haben eine tolle Entwicklung genommen und können konstatieren, dass wir in jedem Spiel, mit Ausnahme der Partie in Wolfsburg, in der das Team nach der Englischen Woche mental leer war, auf Augenhöhe mit den Gegnern in der Bundesliga waren. Das große Ziel lautet nach wie vor, die Klasse zu halten. Diesem Ziel ordnen wir alles unter und sind überzeugt davon, dass wir es auch erreichen werden!

fci.de: Was war die größte Herausforderung in dieser Hinsicht?

Walpurgis: Es war zunächst ganz zu Beginn wichtig, die Spieler aus ihrem mentalen Tief herauszuführen und sich über Erfolgserlebnisse im Training wieder ein Selbstbewusstsein zu erarbeiten. Mit dem ersten Spiel und dem emotionalen Sieg in Darmstadt wurde die Brust wieder etwas breiter. In der Folge haben wir uns auch von Rückschlägen – egal wie schwerwiegend sie waren – nicht unterkriegen lassen und sind als Team noch enger zusammengerückt. Die Jungs wollen sich immer weiter verbessern und entwickeln sich jede Woche weiter. Das macht wirklich Spaß.


Teambuilding-Maßnahmen wie hier beim Koch-Event mit Gourmetkoch Johann Herrler werden bei Maik Walpurgis groß geschrieben. (Foto: KBUMM/Meyer)

fci.de: Wir befinden uns in der entscheidenden Phase in der Saison. Worauf kommt es jetzt drei Spieltage vor Schluss an?
 
Walpurgis:
Wichtig ist, absolut fokussiert zu bleiben und sich nicht von äußeren Einflüssen aus dem Konzept bringen zu lassen. In der Geschichte der Fußball Bundesliga ist schon so viel passiert und daher ist nichts unmöglich. Glaube versetzt ja bekanntlich Berge und wir haben so viel investiert, dass wir am Ende dafür belohnt werden.

fci.de: Vielen Dank für das Interview!