Stefan Kutschke: „Die Absage ist sicher kein Rückschlag für uns“

Unser Kapitän Stefan Kutschke im Spiel gegen Viktoria (Foto: Meyer / KBUMM).

Stefan Kutschke: „Die Absage ist sicher kein Rückschlag für uns“

12. Februar, 2021 09.00 Uhr

Seit 2017 schnürt Stefan Kutschke die Schuhe für die Schanzer, trägt seit bald zwei Jahren die Kapitänsbinde und geht voran. In 125 Partien in Schwarz-Rot bringt es der 32-Jähige auf 31 Tore (Rang drei in der „Ewigen Torschützenliste“ hinter Moritz Hartmann und Stefan Leitl) und zehn Vorlagen, insbesondere sein letzter Assist dürfte ihm dabei noch länger in Erinnerung bleiben. Wir haben mit dem FCI-Spielführer aber längst nicht nur über das „Wunder gegen die Viktoria“ gesprochen, auch die Corona-Pandemie mit einer damit verbundenen, tollen Geste der Profis ist Thema. Außerdem richtet sich der Blick auch nach vorne: Das Spiel gegen den SC Verl fällt witterungsbedingt aus, aber die nächste Herausforderung auf „Kutsche und Co.“ wartet eine Woche später gegen die „Roten Teufel“… Mit fci.de traf sich unser Kapitän zum lockeren Plausch.

fci.de: Servus Kutsche! Wenn wir schon kein Spiel direkt vor der Brust haben, lass uns den Blick nochmal zurückwerfen auf den vergangenen Samstag. Wie hast du die letzten zwei Minuten gegen die Viktoria aus Köln erlebt?

Stefan Kutschke: „Innerhalb von nicht einmal zwei Minuten das Spiel zu drehen, das habe ich so in 13 Profijahren bisher noch nicht erleben dürfen. Möglich, dass wir nun den „Fluch der jüngsten Vergangenheit“ abgelegt haben, vor allem aber hat der Sieg gezeigt, wie wichtig die Auswechselbank ist. In dem Fall haben ja mit Imi Niskanen, Rico Preißinger und Caniggia Elva gleich drei Jungs Anteil am Siegtor.“

fci.de: Du hast den Ball zu Bunti abgelegt. Hand aufs Herz: Welche Gedanken schossen dir in den Kopf als der Mann in Gelb zum Abschluss ausholte?

Kutschke: „Naja, die Ecke flog herein und ich dachte, Bunti kommt direkt ran. Stattdessen gelangte der Ball zu mir, das war überraschend Mein Gedanke im dem Moment? Ärgerlich, dass mein erster Kontakt nicht sauber war, sonst hätte ich abschließen können. Aber dass die Kugel dann so zu Bunti fällt und er so trocken einschweißt, war der absolute Wahnsinn. Gefühlt mussten wir ihm zwar dann zwölf Kilometer zum Jubeln hinterherlaufen, aber Spaß beiseite: Es war ein unfassbar schöner Moment.“

fci.de: 125 Spiele hast du für die Schanzer auf dem Buckel – war das für dich der FCI-Moment in den fast vier Jahren hier?

Kutschke: „Erst einmal ist es ein schönes Gefühl, so viele Spiele für die Schanzer bis heute gemacht zu haben. Es war in der Vergangenheit nicht immer leicht, was ich überhaupt nicht auf andere schiebe: Ich fang bei mir selbst an und da war nicht immer alles optimal, völlig klar. Klar – Das war sicherlich das für mich prägendste Spiel im FCI-Trikot.“

fci.de: Die Kurzarbeit ist zurück bei den Schanzern, aber auch die Profis helfen mit: Ihr habt euch kollektiv für einen Gehaltsverzicht im Team entschieden, wie schon im Vorjahr. Was hat euch dazu bewegt?

Kutschke: „Wir sind ein familiärer Verein. Die Geschäftsstelle ist in Kurzarbeit gegangen, leidet und freut sich mit uns trotzdem Woche für Woche. Wir wissen, was wir an den Leuten haben und von daher war es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir mit dem Gehaltsverzicht dort mithelfen, wo es dringend gebraucht wird.“

fci.de: Zurück zum Sportlichen: Wieviel Motivationsschub kann so ein Erlebnis wie gegen die Viktoria geben?

Kutschke: „Diesen Glauben verfestigt zu haben, Spiele drehen zu können auch in den letzten Sekunden, das ist eine riesen Sache für uns als Team. Der Trainer hat es im Nachgang der Partie auch gesagt: So etwas schafft man nur, wenn man intern sauber ist und die Mannschaft bedingungslos zusammenhält. Das Lob mit Blick auf den Teamspirit gab es schon im Vorjahr, im Sommer sind ein paar neue Jungs dazugekommen, das hat an der Geschlossenheit aber nichts geändert. Und: Dieses Erlebnis muss jedem Einzelnen zusätzlich Kraft geben.“

fci.de: Wie sehr schmerzt da der Spielausfall kurz vor dem Wochenende?

Kutschke: „Für die Wetterverhältnisse können wir nichts. Das nehmen wir so hin und nutzen die Möglichkeit, weiter an uns zu arbeiten und das eine oder andere zu verfeinern und zu verfestigen. WIr wollten gerne spielen, aber die Absage ist kein Rückschlag mit Blick auf die kommenden Aufgaben.“

fci.de: Die Absage bringt auch Zeit, um Blessuren auszuheilen. Wie geht es denn deiner Hand und wie sehr schränkt dich die Verletzung ein? Wir sehen dich ja schon länger mit einer Manschette auf dem Platz, seit du dich im Spiel bei den Löwen verletzt hast…

Kutschke: „Stimmt, nach einem Torschuss in München bin ich damals auf den Daumen gefallen, der guckte dann in die andere Richtung. Der Doc hat das glücklicherweise schnell wieder einrenken können. Ob eine OP im Sommer nötig ist oder nicht, zeigt sich jetzt dann in den MRT-Untersuchungen. Jedenfalls hatte ich drei Wochen lang einen Gips dran – das war schon ungewohnt, zumal der dann für die Spiele auch noch gepolstert wurde. Jedes Mal dachte ich, mit einem Backstein über den Platz zu rennen (lacht). Jetzt ist jedenfalls nur noch eine kleine Bandage dran. Passt, alles in Ordnung.“

fci.de: Du bist bekanntermaßen hart im Nehmen: Kurz vor Weihnachten standest du mit Nasenbeinbruch auf dem Platz – ohne Gesichtsmaske, die eigentlich vorbereitet gewesen war…

Kutschke: „Ich hatte es mit der Maske probiert, es hat mich total gestört. Da dachte ich mir: Die Nase ist sowieso kaputt, wenn der Ball nochmal drauffällt, schlimmer wird es nicht. Es ging gut und heute ist auch mit der Nase alles okay – toi, toi, toi – klopfen wir auf Holz.“

fci.de: Letzte Frage: Aus Fankreisen werden immer wieder Forderungen nach der Kutsch-Cam laut. Wie stehst du einem Revival gegenüber?

Kutschke: „Na also bitte – sehr offen natürlich! im vergangenen Sommer haben uns die Junioren im Trainingslager ja hervorragend vertreten. Mit den Jungs ist der Kontakt bestehen geblieben, letztens konnte ich mit einem Geburtstagsvideo helfen. Es ist wichtig, dass wir dieses Miteinander im Verein wirklich auch leben und uns aufeinander verlassen können. Aber, zurück zur Frage: Wenn wir in diesen schwierigen Zeiten etwas tun können, um unsere Fans mitzunehmen, machen wir das. Und wenn das dieses Format ist, dann werden wir zusehen, dass wir in naher Zukunft eine Kutsch-Cam einstreuen.“

fci.de: Vielen Dank, Stefan!